aktuelle Entwicklungen

Die folgenden Informationen hat Hermann Brünjes über das Internet, befreundete NGOs und Besuche zusammen getragen. Seit 2004 ein indisches Gericht die Planung des Staudamms ermöglicht hat und indische Zeitungen dies berichteten, informiert Hermann Brünjes über die Entwicklung. Falls Sie Details erfahren möchten und weitere Materialhinweise suchen, melden Sie sich bitte bei ihm. E-Mail: HBruenjes@t-online.de

26.Mai 2017  Prognosen und Stand der Entschädigungen 

Heute bringt The Hans, India einen interessanten Artikel (hier der Link) . Es geht darin um den Stand der Dinge beim Staudamm und den Umsiedlingen. Der Chiefminister bleibt dabei, dass 2018 der Damm und 2019 das gesamte Projekt fertig werden soll. Die Umsiedlungen für Kanäle und im bereich der Großbaustelle sind noch nicht vollständig aber weitgehend erfolgt. Innerhalb eines Jahres sollen nun 50 Dörfer umgesiedelt werden, eine echte Herausforderung.

Die "heiße Phase" wird erst mir Erreichen einer Höhe von 45 m der Staumauer beginnen. Da werden dann 184 Dörfer umgesiedelt und entschädigt werden müssen. Dazu gehören auch jene Bezirke, in denen die GSELC viele ihrer Gemeinden hat (Kukunuru, V.R.Puram, Chintur, Kunavaram, Yetapaka). Es laufen jetzt überall die Landkäufe und -übernahmen. 

Der Artikel klingt m.E. eher vorsichtig und kritisch, sowohl was die Zeitangaben angeht als auch die Geschwindigkeit der Entschädigungen. 

15. Mai 2017  Entschädigungen werden verkonsumiert

Heute findet sich ein erschreckender Artikel in "TheHans, India". Es wird berichtet, dass im Raum Kukunuru die Entschädigungen für Farmer ausgezahlt wurden. Primär wird es sich um Nicht-Tribals handeln, der Vorgang ist dennoch exemplarisch: Die Leute haben niemals vorher soviel Geld gesehen wir sie jetzt in Händen halten. Im Juli 2016 begann die Entschädigung für ca. 4.000 ha Ackerland, Bewässerungsleitungen, Tanks und Brunnen. Seit Dezember wussten die Bauern, wieviel sie bekommen würden, nun hatten sie das Geld auf ihrem Bankkonto. Große Summen sind sofort abgehoben worden und haben der Region einen enormen wirschaftlichen Schub gegeben. In Kukunuru allein haben zwei Läden für Motorräder aufgemacht. Innerhalb von einer Woche wurden 110 Zweiräder verkauft. Reichere Bauern kauften auch Autos. Klimaanlagen, Flachbildfernseher, Kühl- und Gefrierschränke ... alles, wonach man sich so lange gesehnt hatte, wurde angeschafft. Bis nach Ashwaropeta und Bhadrachlam strahlte der regionale Wirtschaftsboom aus.

Was die Zeitung zu wenig benennt: Mit dem Konsum schwindet die Chance vieler kleinerer Landwirte, sich eine neue Zukunft aufzubauen. Sie geben das Geld aus und stehen mit leeren Händen da, wenn der Stausee ihr Land überschwemmt. Die Folge wird sein, dass viele von ihnen verarmen und verlieren, was sie jetzt haben: Eine Lebensgrundlage. 

4. April 2017  Thema in den Medien

Immer wieder geht es auch in indischen Medien um das Projekt. So hat der Chief Minister die Fertigstellung jetzt auf 2019 prognostiziert und es zur Chefsache gemacht. Wöchentlich lässt er sich einen Videoreport zum Fortgang des Projektes geben. Nun beklagt er, dass die wöchentlichen Ziele nicht erreicht werden und übt ständig Druck auf die Ausführenden aus.

Gleichzeitig gibt es immer wieder Berichte über den Umgang mit den Betroffenen. Schon jetzt wird deutlich, dass diese viel weniger im Blick sind als das Prestigeprojekt selbst. Hier findet Ihr dazu einen Artikel (englisch): Es geht um die Vertreibung der Tribals. Alle schweigen darüber - und ziehen gleichzeitig ihr Ding durch. Ich finde den Artikel beeindruckend, zeigt er doch die Situation.

Nicht mehr zu schweigen scheint unsere Partnerkirche. Ausgelöst durch die Möglichkeit, Entschädigung für Kirchenland zu bekommen, ist sie darin aktiv geworden, sich für den Verlust von Land und Gebäude einzusetzen. Hoffen wir, dass die Keitenden dies auch auf den Einsatz für die Rechte der Gemeindeglieder ausweiten.

Der Sozialarbeiter Krishna Rao, der auch häufig für die Kirche gearbeitet hat und zuletzt als TfT-Direktor auch für den FMD tätig war, hat unterdessen ein zeitlich begrenztes Projekt über die Adivasi-Koordination, finanziert aus einer privaten Spende, entwickelt und begonnen. Es geht dabei darum, in 10 Dörfern betroffenen Familien zu helfen, die ihnen zustehende Entschädigung zu bekommen. Bitte beten Sie für dieses Projekt.

11. März 2017  Ein Projekt kommt selten allein ...

Schon berichtet haben wir vom Patiseema-Projekt und der geplanten zweiten Pumpstation dieser Art. Auch dort mussten Menschen ihre Häuser verlassen und umgesiedelt werden. Nun wird in Indien ein weiteres Projekt diskutiert. Auf halber Strecke zwischen Godavari und Krishna-River soll ein weiteres riesiges Projekt dafür sorgen, dass das Wasser ins Umland verteilt werden kann.

Das Chinthalapudi Lift Irrigation - Projekt (eine riesige Pumpstation mit Reservoir) wird gemäß Projektbeschreibung (siehe dieser Link)  231 Dörfern enorme Vorteile in Sachen Wasserversorgung bringen. Nur 12 sollen danach umgesiedelt werden, darunter allerdings auch einige Adivasi.

Eine Kommission aus Mitarbeitern diverser NGOs hat nun eine Feldstudie vorgelegt, die etwas ganz anderes beschreibt (dieser Link). Danach werden 127 Dörfer umgesiedelt und 16 davon sind Adivasi. Auch hier habe keinerlei Anhörungen stattgefunden. Die Betroffenen sind entgegen gesetzlicher Vorgaben nicht einbezogen worden und haben schon garnicht ihr Einvertändnis erklärt.

Die Berichterstattung offizieller Medien und Verlautbarungen von Politikern ist mit Vorsicht zu genießen: Immer wieder werden die Vorteile der Projekte beschworen, die Opfer jedoch verschwiegen und über die Art und Weise der Umsetzung entgegen der Gesetze zum Schutz von Menschen und Natur garnicht thematisiert.

12. Februar 2017  Modeldörfer geplant 

Für insgesamt 150 crore (1 crore = 10 Mill. Rupien = 142.000 €. Hier also ca. 21,3 Mill. €) hat die Destrict-Regierung gestern in Eleru beschlossen, 19 Musterdörfer für die Vertriebenen zu errichten. Jedes Dorf soll einen geschützten Innenhof (Anganwadi Centre) bekommen, eine Schule, eine Kirche, einen Tempel, eine Krankenstation (hospital), einen Tribal-Laden, eine Ladenzeile und ein Trinkwasserreservoir. Zusätzlich soll es eine Gemeinschafthalle geben, eine Abfallplatz und Leitungen für die Wasserversorgung. (Quelle THE HANS)

Anmerkung: Schon vor Jahren wurden "Musterdörfer" gebaut, um den Menschen die Umsiedlung schmackhaft zu machen. Das Dorf bei Gullavai liegt heute verfallen und von Dornen überwuchert neben der Straße. Es entspricht nicht dem, was sich Adivasi unter gutem Leben vorstellen. Hoffen wir, dass die jetzt beschlossene Maßnahme unter Einbeziehung der Menschen umgesetzt wird. Dann hätten zumindest 19 von bis zu 400 Dörfern eine Perspektive - sollte es neben dem Dorf auch Land geben und Arbeitsmöglichkeiten für die Vertriebenen.

Dass auch eine Kirche mit vorgesehen ist, zeigt, wie sehr der christliche Glaube unter den Tribals verbreitet ist. Auch unsere Geschwister von der GSELC sind deshalb mit den Behörden in Verhandlung. Es bleibt zu hoffen, dass sich diese liberale Grundhaltung in Andhra Pradesh auch angesichts immer stäkerem Hindunationalismus, forciert durch die Zentralregierung, behauptet.

5. Februar 2017  Acht Gerichtsverfahren vor höchsten Gerichten

Seit Jahrzehnen laufen inzwischen 8 Gerichtsverfahren vor dem Supreme-Court, dem höchsten Gericht Indiens. Gemäß einer als Verbund der Projektgegner gegründeten NGO Rela werden Rechte der Stammesgemeinschaften und Vertriebenen (mehr als 400.000 Menschen), aber auch Umweltgesetze, Landrechte und die Gesetze überhaupt mit Füßen getreten. Lebensgrundlagen der Stammesgemeinschaften vonKonda Dora, Koya und Reddiraju werden vernichtet. Hier lesen Sie mehr.

Die befreundete NGO Andheri-Hilfe schickt uns eine Information ihrer Partnerin Meera Khader. Danach hat die Regierung weitere 92 Dörfer als betroffen definiert. Nach Angaben der NGO sind es jetzt 462 Dörfer - eine Vertreibung riesigen Ausmaßes bahnt sich an.

1. Februar 2017  Grundsteinlegung der Abdicht-Schlitzuwand durch CM Naidu

Gestern hat im Rahmen einer religiösen Zeremonie und begleitet durch Hindu-Priester die Grundsteinlegung für die von der Firma Bauer gebaute Abdichtwand (s.u.) stattgefunden. Der Chief Minister hat betont, dass es sich mit 1.500 m Länge und 120 m Tiefe um das größte Projekt dieser Art weltweit handelt. Bis Juni soll die erste Hälfte der Wand gebaut werden, dann ab Dezember die zweite Hälfte. Er gehe davon aus, dass der Damm dann schnell gebaut würde und 2019 fertig wird. Auch eine weitere Zahlung der Entschädigungen und Umsiedlung sagte er öffentlich zu. (Quelle TheHindu) 

30.Januar 2017  Widerstand vereint sich

Gab es bisher unzählige Gruppen, Interessenverbände und Parteien, die den Widerstand gegen den Staudamm prägten, hat man sich nach Meldung von The Hindu nun zusammen geschlossen. ‘People’s Forum Against Polavaram’ (PFAP) hat örtliche Gruppen in Odisha, Chhattisgarh, Andhra Pradesh und Telangana zu einer großen Widerstandsorganisation vereint. In der dritten Februarwoche wird man sich in Chintoor treffen, um weitere Schritte zu beraten. Die organisation soll unabhängig sein, aber mit allen Parteien und Interessengruppen im Gespräch. (Quelle)

13. Januar 2017 Zweifelhafte Aussichten

Während wir hier in Deutschland und diverse NGOs auch in Indien schon seit Jahren vom Staudamm und seinen Folgen berichten, kommen die bedrohlichen Konsequenzen dieses Projektes offenbar erst jetzt in den Gemeinden und bei Mitarbeitenden an. Man denkt eben nicht langfristig ...
Bis November konnten in einigen Gebieten die Ansprüche für die Entschädigungen angemeldet werden. Auch die Kirche hat ihre vom Stausee bedrohten Ländereien und Gebäude gemeldet und rechnet mit Entschädigungen. Kirchen werden als religiöse Gebäude behandelt und sollen wie Tempel und Moscheen am neuen Ort auf Kosten der Regierung wieder aufgebaut werden. Anträge können nur von eingetragenen Organisationen gestellt werden, nicht von Einzelpersonen.
In einigen Fällen erhebt nicht nur die Good Shepherd, sondern auch die Good Samaritan Ansprüche auf das Land. Da kann man nur hoffen, dass man sich irgendwie einigt.

Es wurden diverse Orte für die Umsiedlung ausgewählt. Die von Tribals bewohnten Dörfer sollen, wenn möglich, geschlossen umgesiedelt werden, allerdings ziehen viele der Betroffenen wohl dorthin, wo ihre Verwandten leben. Problematisch ist die geänderte Weise der Entschädigung. Sollte es bisher Land für Land und Haus für Haus für die Tribals geben, so werden sie jetzt vor die Wahl gestellt und können auch Geld ausgezahlt bekommen. Wird dies tatsächlich so gemacht, würden viele das Geld nehmen und vermutlich ausgeben ohne ihre Zukunft zu sichern.

Hier finden Sie eine .pdf-Datei zum herunterladen. Der aktuelle Artikel beschreibt gut den Werdegang des Projektes vor allem aus ökonomischer Perspektive.

12. Januar 2017 FMD-Delegation besichtigt die Baustelle

Im Rahmen der Partnerschaftsreise haben wir am 12.1. die riesige Baustelle des Indira-Sagar-Staudamms besucht. Die Möglichkeit dazu bot sich durch Kontakte mit der Firma Bauer AG, die den Auftrag zum Abdichten des Dammes bekommen hat. Ein leitender Mitarbeiter der Tiefbaufirma zeigte uns das riesige Bauprojekt und erläuterte ausführlich das Vorhaben.
Hier lesen Sie Auszüge aus meinen Aufzeichnungen:

Die Firma Bauer AG unterhält ein eigenes Camp, gleich neben dem des indischen Unternehmers Transstroy Ltd. Letztere hat vermutlich den Auftrag bekommen, weil der Eigner mit dem Chief-Minister verwandt ist - jedenfalls "weiß" das jeder. Nachdem es schon diverse Gerichtsverfahren gab, hatte es eine Ausschreibung gegeben. Drei von sechs Firmen waren technisch qualifiziert, jedoch sehr teuer. Man hat sich dann für eine der technisch nicht qualifizierten Firmen entschieden, eben jene Transstroy Ltd., die völlig ohne jede Erfahrung mit Staudämmen ist.
Von der Landschaft wie ich sie bei meinem ersten Besuch vor zwei Jahren gesehen habe, erkenne ich kaum etwas wieder. Überall wird gearbeitet: Felsen und Erdreich abgetragen und woanders in großen Halden abgelagert. Viele der riesigen Steinberge sind temporär. Sie werden geschreddert und zu Baustoffen verarbeitet, die dann im Damm verbaut werden. Hunderte LKW versetzen unermüdlich Erdreich und Gestein. Einige davon sind riesige Kipplaster, die bis zu 120 Tonnen laden können.

Wir schauen uns zunächst das Model der gesamten Anlage an. Der Staudamm mit dem Kraftwerk liegt auf der linken, der nördlichen Seite. Er wird 1,5 km lang und 45 m hoch. Dann gibt es eine Insel und rechts davon den noch längeren Spillway, den Überlauf. Dieser enthält im oberen Teil Tore, die je nach Bedarf geöffnet oder geschlossen werden und Wasser ablassen können. Die Firma Bauer baut am Damm sozusagen das Fundament, genauer: die Abdichtung der Staumauer nach unten. Zur Anlage gehören diverse Kanäle, Tunnel, Becken, Straßen, Brücken, ein Kraftwerk und natürlich der Stausee. Ist der Damm einmal fertig und geschlossen, wird der See innerhalb einer einzigen Monsunzeit geflutet sein. Es dauert also nur einige Monate, bis die ganze Fläche überschwemmt ist - vergleichbar einer der großen Überschwemmungen der vergangenen Jahre.

Wir fahren flussaufwärts zum Büro der Bauer AG. Es liegt neben einem großen freien Campus, auf dem der Chief Minister Anfang Januar vor 5.000 Besuchern die Anlage symbolisch eröffnet hat. Es war allerdings wohl mehr eine Wahlveranstaltung, denn eine Grundsteinlegung. Jedenfalls habe jeder Besucher neben freier Verpflegung auch 200 Rupien bekommen ...
Zwei weitere Ingenieure, ein Inder und ein Kanadier präsentieren das Projekt anhand zweier großer Flachbildschirme.
Bauer baut zunächst lange Plattformen auf den Sand des Flussbetts, da die schweren Maschinen, die bereits angekommen und zusammen gebaut sind, sonst nicht eingesetzt werden könnten. Entsprechend dem Verlauf des Dammes werden in der Mitte etwa zwei Meter freigelassen. Auf diesem Streifen wird anhand einzelner Bohrungen eine Mauer tief in den Untergrund gezogen. 120 m Sandschicht im Flussbett werden durchbohrt bzw. frei gespült und stabilisiert. Dann geht es noch 5 m tief in den Fels hinein. Gefüllt mit Spezialbeton ist dieses Fundament sogar erdbebensicher (was hier gemäß Gutachten auch erforderlich ist)! Das Fundament dient als untere Abdichtung der Staumauer. So kommt kein Wasser mehr unter der Mauer hindurch.

Wann wir die Mauer fertig? Die Abdichtung kann nur in der trockenen Zeit geschehen, folglich braucht man dieses und nächstes Jahr dafür. Dann erst kann der Damm selbst gebaut werden. Vorher muss der Spillway fertig werden. Also: Während die Politiker versprechen, das Projekt 2018 zu beenden, kann es technisch nicht vor 2020 gelingen - selbst wenn alles Geld vorhanden ist. Das bedeutet, frühestens in 2021 könnte die Flutung erfolgen. Die noch so gut wie gar nicht begonnene Umsiedlung müsste dann abgeschlossen sein. So oder so, die Zeit des Umbruchs für die Tribals und Anwohner der betroffenen Gebiete hat begonnen und steht kurz bevor.

Wir essen in der Kantine. Viele der Ingenieure wohnen und leben hier, einige sogar mit Familie (welch trostlose Heimat!). Die Arbeiter kommen meist aus umliegenden Dörfern, LKW-Fahrer hat man aus großem Umkreis engagiert. Wegen der Sprengungen, die immer zwischen 13 und 14 Uhr vorgenommen werden, müssen wir uns in einen Schutzbereich zurückziehen. Wir warten dort eine halbe Stunde, unterhalten uns mit einigen der Ingenieure über deren Arbeit und Leben und schauen von ferne den aufsteigenden Staubwolken zu. Das Licht ist schneller als der Schall - also sehen wir zuerst die Staubwolken und hören erst dann die gewaltigen Detonationen.
Zum Schluss des Besuches legen auch wir die vorgeschriebene Schutzkleidung an (Helm und Weste) und fahren direkt zur Baustelle. Nun sehen wir, was wir vorher in der Theorie erfahren haben. Die Arbeiter haben die Plattformen für die erste Hälfte des Flusses und somit für diese Trockenperiode fertig. Nun wird der ausgesparte mittlere Streifen ausgehoben und die Arbeitslinie der großen Maschinen mit einer Art von Spundwänden vorbereitet. Wir können uns den Verlauf des Dammes gut vorstellen - ein gigantisches Bauwerk.
Das meint auch der deutsche Bauleiter. Der hat weltweit solche Bauwerke gebaut und erzählt immer wieder von Bhutan, Pakistan, vom Libanon usw. Demnächst soll er vielleicht nach Afghanistan ... welch ein Leben.

Auf dem Rückweg fahren wir kurz nach der Kleinstadt Polavaram am umstrittenen Pattiseema-Projekt vorbei. Eine große, blaue Halle überdacht diverse starke Pumpen, die Wasser aus dem Fluss ins Landesinnere bringen. Auf der gegenüberliegenden Seite des Flusses, hier 2-3 km breit, soll eine gleiche Pumpstation entstehen. Das Projekt verschlingt Millionen, ist jedoch nur temporär: Wenn der Staudamm in Betrieb ist, wird es überflüssig. Dem Chiefminister wird unterstellt, dass es sich um ein reines Wahlgeschenk an die Bauern entlang und unterhalb des Flusses handelt ...

29. Dezember 2016  10.000 Jahre alte Gräber entdeckt

Bei Rudramakota und anderen Dörfern in der Region Yelerupadu wurden über 100 uralte Steingräber entdeckt. Die Archeologen schätzen viele davon auf das 8. Jahrtausend vor Christus. Durch den Stusee werden all diese archeologisch so wichtigen Denkmäler überschwemmt. Einige davon kann man in Museen rekonstruieren, das Meiste geht für immer verloren. Auch die alten Tempel von Kukunoor, Vaddigudem, Motigada und andere sind betroffen. Diese sollen jedoch abgebaut und an anderer Stelle neu aufgestellt werden.

29. Dezember 2016  Heftige Proteste wegen Entschädigung und Einweihung der Kanäle

In Dörfern, wo auch die GSELC ihre Gemeinden hat, gab es jetzt heftige Proteste wegen befürchteter ausbleibender bzw. zu geringer Entschädigung. So wurden die Straßen in V.P.Puram, Chintur, Kunavaram und Devipatnam stundenlang von Dorfbewohnern und Studenten blockiert.

Gleichzeitig gab es aus der Opposition (APCC) Vorwürfe gegen Politiker der Regierungsparteien und lokaler Vertreter, dass sie Geld für sich herausschlagen. So sei die Kostensteigerung von 11.000 crore auf 40.000 crore ein Ergebnis von Korruption und nicht der tatsächlichen Kostensteigerung.

Am 30. Dezember 2016 wird Chief Minister Chandrababu Naidu am Projektgelände erwartet und mit ihm bis zu 100.000 Besucher. Für Wasser und Verpflegung sei gesorgt, meldet THE HANS INDIA, ebenso für Transportmittel. Eingeweiht werden soll die Fertigstellung der Kanäle und Pumpstationen. 

27. Dezember 2016  Geld und Einspruch

Die Zentralregierung hat 1.981,54 crore des 16.000,00 crore - Projektes überwiesen. Also können die Arbeiten am Staudamm selbst begonnen werden. 

Parallel erreichen uns meldungen, dass Entwicklungs-Minister T Haris Rao zugegeben hat, dass durch das National Green Tribunal NGT gerichtliche Schritte unternommen werden, das Projekt noch zu stoppen. Der Grund: Nicht etwa die Vertreibung von Menschen, sondern die vermutete Gefahr für den Tempel in Bhadrachalam durch den Rückstau des Stausees.

24. Dezember 2016 Siedlungen für Vertriebene angekündigt

K.Bhaskar, Collektor von West Godavari kündigte heute den Bau von Siedlungen für 2271 Familien an. In drei Regionen sollen insgesamt 17 große, moderne Siedlungen für jene, die umgesiedelt werden, gebaut werden. Es sollen dafür 230,4 crore (ca. 32 Mill. €) investiert werden.

Was sich gut anhört: "Moderne" Siedlungen bieten zwar feste, neue Häuser, Toiletten usw. - sie entsprechen jedoch nicht der Lebensweise der Adivasi. Weder der Bau von traditionellen Hütten, noch Hofstellen und Platz für Tiere, noch der nahe Wald zum Sammeln, für Feuerholz usw. sind eingeplant. Es ist fraglich, ob Dorfgemeinschaften erhalten bleiben. Die Tribals arbeiten Großteils auf eigenen kleinen Landstücken - werden sie diese auch erhalten? Oder sie arbeiten als Kulis auf den Feldern der Großbauern. Wie sollen sie am fremden Ort Arbeit finden?

Die Lage der Siedlungen verheißt nichts Gutes: Jeelugumilli liegt an der Fernstraße etws südlich von Ashwaropeta, fernab der Waldgebiete. Es ist bereits jetzt eine Stadt mit ca. 22.000 Einwohnern. Hier sollen die meisten, nämlich 10 Siedlungen entstehen. Kritiker befürchten, dass es s.g. "Townships" werden. Die Fernstraße konfrontiert die Siedler mit Kriminalität, Prostitution und der den Tribals fremden städtischen Lebensweise. Im Bereich Buttayagudem sollen weitere 5 Siedlungen gebaut werden. Der Ort liegt am südlichen Rand des Waldgebietes - was den Familien im positivsten Fall sozusagen die Alternative der Wahl zwischen alter und neuer Lebensweise bieten könnte. 2 weitere Siedlungen sind im Landkreis (Mandal) von Polavaram geplant. Dort sind bereits diverse neue Wohnblocks zur Unterbringung der durch die riesige Baustelle von Kanälen und Staudamm bzw. Stausee Vertriebenen entstanden. Gerade dieses Gebiet wird sich durch den Staudamm deutlich verändern.

Es ist in jeder dieser Regionen zu hoffen, dass der Staat den Familien nicht nur Häuser hinstellt, sondern auch die entsprechende Infrastruktur zum Erhalt der Lebensweise ermöglicht. 

8. Dezember 2016  Entschädigung für Landbesitzer

Entwicklungsminister Umamaheswara Rao hat zugesagt, dass Landbesitzer mit 7.00.000 Rs. je Acre entschädigt werden sollen (2,5 acre = 1 Hektar = 10.000 qm. Folglich soll es ca. 2.500 € je ha Ackerland geben). Im Khammam-Destrict sind es sogar 10.500.000 Rs. an Entschädigung. Kalkuliert hat die Regierung insgesamt 1.60.541 acre.

Kommentar: Das klingt gut und fair. Die Haken werden aber verschwiegen. So muss ein Landwirt irgendwo neues Land kaufen. Aber wo? In den Anrainergebieten steigt der Preis rasant. Außerdem muss ein Landwirt Besitzurkunden vorlegen. Die gibt es oft nicht. Man kann sie zwar "besorgen", braucht dafür aber viel Geld für entsprechende "Gebühren" oder Rechtsbeistand. Und völlig unbeantwortet bleibt das größte Problem: Die Tribals sollen nicht mit Geld, sondern mit Land entschädigt werden. Land für Land, Haus für Haus. So lautet die einst gemachte Zusage. Solche Entschädigung ist m.E. völlig ungeklärt, abgesehen von ein paar "Musterdörfern". Über 60% der Betroffenen sind Tribals - und vermutlich sind gerade sie die größten Verlierer. Wie schon immer.

6. Dezember 2016  Grundsteinlegung Betonarbeiten am Damm

Auch wenn schon Fotos eines Staudammes kursierten, sie zeigten nicht diesen Damm: Am Damm selbst wurde bisher noch kein Beton verbaut, sondern es wurden lediglich die vorbereitenden Erdarbeiten gemacht. Chief Minister N. Chandrababu Naidu hat nun angekündigt, dass die Betonarbeiten Anfang Januar beginnen werden und die Grundsteinlegung für den 19. Dezember angesetzt. Der für Wasserversorgung zuständige Minister Uma Bharti wird bei der Grundsteinlegung zugegen sein.

29. November 2016  Immer wieder in indischen Medien

Fast täglich gibt es Meldungen um Projekt in den Medien. Diverse Politiker äußern sich. Die Befürworter betonen immer wieder den Nutzen des Projektes. Der Chiefminister von A.P., Chandrababu Naidu, beklagt, dass die Arbeiten zu langsam gehen und man es so nicht bis Ende 2018 schaffe. Er will die Baustelle monatlich besuchen, um Druck zu machen. 

Stolz wird berichtet, dass am 20. Nov. die Marke von 200.000 cm Erdbewegungen geknackt wurde. Angekündigt wird, dass mit den Betonarbeiten am Staudamm in der nächsten Woche begonnen wird.

Gleichzeitig gibt es weiter viel Kritik an dem Projekt. So hat die Regierung von Telangana nochmals ein Gutachten über die Folgen eines 150 feet hohen Staudamms in Auftrag gegeben. Die Befürchtung ist, dass auch die Tempelanlage von Bhadrachalam in Mitleidenschaft gezogen wird, nicht nur Teile der Stadt.

Am 24.11. habwen sich 200 Bürgermeister und diverse NGO-Mitarbeiter aus allen betroffenen Bundesstaaten getroffen und über ihr gemeinsames Vorgehen beraten. Sie haben deutlich gemacht, dass die einheimische Bevölkerung viel zu wenig von dem Staudammprojekt hat. Ihr Vorwurf: Das ganze Projekt dient nur dem Küstenstreifen von Vizak bis Chennai und versorgt die dortige Industrie (Stahl, Chemie usw.) mit Wasser und Strom. Den befürwortenden Parteien, allen voran die Congress-partei und die BJP (Regierungspartei in Delhi), gehe es nur um politische Vorteile, nicht um die Menschen. Opfer seien zu weit über 60% Adivasis, die vertreiben werden und alles verlieren.

9. Oktober 2016  ... es geht weiter.

Zeitungen melden in den letzten Wochen diverse Neuigkeiten. So hat der Ministerpräsident von A.P. angekündigt, für das Polavaram-Projekt ein Museum zu errichten. Dort soll die Entwicklung zum Projekt gezeigt werden und wie es technisch funktioniert. Der Bau am Staudamm hat begonnen - allerdings sind Fotos im Internet schwer zuzuordnen. Es wird wohl gerade an den Fundamenten des entscheidenden Staudamms gebaut. U.a. die Firma Bauer hat zugesagt, ein Gutachten über die Abnutzung der Betonwände innherhalb von zwei Wochen zu liefern.

Unterdessen hat sich die in Indien sehr geachtete Sozial-Aktivistin Ms. Medha Patkar wieder zu Wort gemeldet. Sie sei die erste gewesen, die sich wegen des Polavaram-Dammes für die Adivasi eingesetzt habe (in Klammern: die bereits viel früher erschienenen diversen Infos auf dieser Homepage hat sie jedenfalls nicht gelesen ...). Sie beklagt gegenüber dem Ministerpräsidenten, dass in der ersten Phase unter dessen Vorgänger noch ein Dialog möglich war und die Stimmen des Widerstandes aufgenommen wurden - so z.B. in der Begrenzung der Höhe des Dammes. Dies sei jetzt leider nicht mehr gegeben. Die Menschenrechts-Aktivisten werden nicht mehr angehört.

Weiter geht der Widerstand Odishas, es laufen diverse Gerichtsverfahren und die Höhe der Entschädigungen sind im Gespräch. Von unserer Partnerkirche hören wir, dass Ende November neue Entschädigungen anstehen. Offenbar sollen auch Organisationen für ihren Grundbesitz entschädigt werden. Die GSELC besitzt diverse Grundstücke (Ackerland und Hostelgelände), die im Überschwemmungsgebiet liegen und die Leitung hofft auf Entschädigung. Allerdings sind die Original-Besitzurkunden in der Hand von K. Abraham, dem Erben von Paul Raj. Zumal der "Tribal Trust", in den die Grundstücke eingetragen sind, nun nicht mehr funktioniert, wird der Kampf um die Rechte schwierig.

13. September 2016  Komplette Finanzierung durch Zentralregierung

Schon letzte Woche hat die Zentralregierung in Delhi beschlossen, das inzwischen als nationale Aufgabe anerkannte Projekt vollständig zu finanzieren. Dafür wurden 16.000 crore/RS (= ca. 2,3 Mrd €) einkalkuliert plus der Kosten für Rehabilitation von 14.000 crore/Rs. ( = ca. 2 Mrd.€). 

Der Chief Minister von Andhra Pradesh, Chandrababu Naidu, hat heute das Projekt besucht und der Regierung in Delhi gedankt. Dabei hat er deutlich gemacht, dass die erste Phase der Fertigstellung in 2018 sein soll. Bewegt werden müssen 105 Mill. cbm an Erdreich. 41 Mill. cbm. wurden bisher bewegt. Es wurden schwere Maschinen, zum Teil auch aus dem Ausland (darunter wie berichtet auch Deutschland), eingesetzt. 5,5 km Kanäle und Abflüsse wurden im Projektbereich angelegt. 

Der Ministerpräsident hat angekündigt, an jedem dritten Montag das Projekt zu besuchen und es somit zur Chefsache erklärt.

Unterdessen gehen Proteste in Chattisghard und Odisha weiter. Die TRS und die Congress-Partei in Charrisgharh fordern, die Höhe des Dammes zu veringern. Die BJP in Odisha wartet noch auf Gerichtsentscheidungen, lenken jedoch Schritt für Schritt ein (in Delhi regiert ebenfalls die BJP). Immerhin werden allein in Odisha durch Rückstau der Sabari und Sileru 15 Dörfer und 10 Weiler mit insgesamt 6.816 Einwohnern, zumeist Stammesangehörige, aus ihrer Heimat vertrieben.

12. September 2016  Runder Tisch wegen Rehabilitation

Repräsetanten aller Parteien trafen sich zu einem runden Tisch wegen der Hilfe und Rehabilitation der durch das Projekt Vertriebenen. Es sei inzwischen nicht mehr die totale Opposition gegen das Projekt angesagt, sondern nun müsse man sich für die Betroffenen einsetzen, betonten einige der ehemaligen Widerständler. Es wurde deutlich beklagt, dass die Sätze für Hilfsmaßnahmen schon 2004/2005 festgelegt wurden und seitdem nicht angehoben wurden. Während die Opfer von Pumpstationen (Pattisema-Lifft irrigation) und auch sämtliche Kosten für Bauunternehmer usw. in den über 10 Jahren deutlich gestiegen sind, hält man die Opfer mit den alten Versprechen hin. 

19.August 2016  Projekt-Gerangel geht weiter

Alle paar Tage schreiben indische Zeitungen etwas über das Polavaram-Projekt. Zwischendurch gab es wieder einen Baustopp. Es scheinen viel Korruption, Misswirtschaft und politisches Machtgerangel im Spiel zu sein. Dem Ministerpräsidenten von A.P. wird vorgeworfen, nicht für die Belange des Staates, aber sehr für seine eigenen Interessen einzutreten.  Sowohl der Streit zwischen den Bundesstaaten Andhra Pradesh und Odisha bzw. Chahattisgarh als auch der mit der Zentralregierung in Dehli geht weiter. A.P. wirft der Regierung vor, zu wenig der zugesagten Gelder zu überweisen. Bereits angedroht wird, dass deshalb die Entschädigungen nicht gezahlt werden können - was dem Bundesland politisch motivierte Argumente liefern könnte: "Wir haben das Geld aus Dehli nicht bekommen. Deshalb werden die Vertriebenen nicht gemäß den Versprechen entschädigt." 

Offiziell wird an der Fertigstellung des Staudamms in 2018 festgehalten, man spricht jedoch (THE HINDU von heute) von mindestens noch 8 Jahren bis zur Inbetriebnahme des Dammes. Jetzt gibt es Vorschläge, den "Purushottampatnam lift", eine Pumpstation zur Bewässerung des linken Hauptkanals, zu bauen. 130 Dörfer könnten so mit Wasser aus der Godavari versorgt werden - was allerdings voraussetzt, dass auch der Kanal über mind. 58 km (von 142 km) fertig gestellt wird. In nur einem Jahr könnte dies erfolgen - für "nur" 1.000 Crore RS (= 145 Mill. €). Der rechte Hauptkanal ist indes bereits fast durchgehend fertig. Er wird durch den in Rekordzeit gebauten "Pattiseema lift" versorgt.

12.März 2016 Streit zwischen A.P. und Chhattisgarh

Während die Auseinandersetzungen um höhere Zuschüsse von der Zentralregierung weitergehen, meldet sich nun der Nachbarstaat Chhattisgarh ebenfalls kritisch zu Wort. Wie Odisha gibt es dort großen Widerstand gegen den Staudamm. Das Staatsgebiet von Chhattisgarh ist mit 7.000 ha landwirtschaftlich genutztem Gebiet, 8.000 ha Brachland und Wald und 40 Dörfern betroffen. Umgesiedelt werden müssen vor allem Tribals der Stämme Koya und Dorla, man schätzt, dass es ca. 45.000 Menschen sein werden. 

Vor allem kritisiert Chhattisgarh, dass entgegen der Vereinbarungen der Staudamm nun höher gebaut werden soll: Statt wie geplant 150 Fuß nun 177,44 Fuß ( ca. 46 m auf 54 m). Entsprechend größer wird der Stausee - und damit werden entsprechend mehr Menschen umgesiedelt werden müssen.

Anmerkung: Alle bisherigen Angaben gehen von 150 Fuß aus. Über die Wirkung eines höheren Staudamms liegen uns keine genauen Zahlen vor. Zwar war eine solche Erhöhung zwischenzeitlich immer mal Thema, der Beschluss darüber wurde jedoch offenbar möglichst verschwiegen.

17. Februar 2016 Der Damm, das Geld und Streit der Parteien

Dass der Staudamm gebaut wird, scheint unaufhaltsam. Die Arbeit hat begonnen und soll 2018 fertig werden. Eine Beteiligung der Fa.Bauer AG hat sich bestätigt. Die Betonfirma engangiert sich erstmals in Indien. Sie ist Spezialist für jene innere Betonmauer, die dafür sorgt, dass kein Wasser durch den Damm dringt (Schlitzwand). Die Spezialmaschinen für diese Arbeit sind bereits in Indien. Ich habe mit dem verantwortlichen Manager für das Projekt gesprochen und die Zusicherung erhalten, dass man versucht, wegen der Entschädigung auf die Regierung einzuwirken. Chance und Einfluss des deutschen Sub-Unternehmers seien allerdings sehr begrenzt. Ich bin erstaunt über die fehlende Recherche zur sozialökonomischen Einbindung des Großprojektes durch die Fa.Bauer. Man wusste offenbar nichts von einer derartigen Vertreibung vor allem der Adivasis und hat bisher nur auf die Stimmen der Regierung und die Zusicherungen, dass reichlich entschädigt wird, gehört. Dennoch hoffe ich darauf, dass Fa.Bauer sich jetzt wenigstens bemüht, etwas für die Vertriebenen zu tun. Deutsche NGOs sehen es möglicherweise anders und würden den Bau gerne noch stoppen. Ich bin jedoch überzeugt, dass dies nicht gelingt und stattdessen lieber für die betroffenen Dörfer und deren Entschädigung gekämpft werden sollte.

Der Minister für Wasserversorgung Devineni Umamaheswara Rao sagt zu, dass der rechte Hauptkanal bis zum Juni 2016 fertig gestellt wird. Er berichtet stolz, dass in den letzten 20 Monaten Rs.11.000 crore (ca. 1,45 Mrd.€) für Bewässerung ausgegeben wurde. Vor wenigen Tagen hat die Regierung von A.P. durch den Finanzminster RS. 4000 Crore (525 Mill.€) für die Entwicklung des Projektes freigegeben. Weitere Gelder von der Zentralregierung in Delhi werden mit dem Argument, es sei inzwischen ja ein Projekt mit "National-Status", beantragt.

Gleichzeitig gehen politische Auseinandersetzungen weiter. Orisha klagt beim obersten Gerichtshof, kleiner Parteien sind gegen den Damm und auch der Sohn des Ministerpräsidenten, der das Polavaram-Projekt anfangs voran trieb, YS Yaganmohan Reddy, zieht nicht mit der Regierung an einem Strang, sondern kritisiert sie.

9. Februar 2016 A.P. Regierung beschließt Summe für Umsiedlung

Der Buisiness Standard meldet, dass A.P. insgesamt RS 115 crore (=ca. 16,7 Mill.€) für die Umsiedlung betroffener Dörfer beschließt. Davon sollen RS 55 crore für West-Godavari und RS 60 crore für East Godavari eingesetzt werden. 

Insgesamt wurden vom Parlament lt. Indian Express die Gesamtsumme von RS. 8.000 crore (ca. 1,2 Mrd.€) für das Staudammprojekt freigegeben.

Eine Vorstellung davon, wie viele Dörfer von den jetzt beschlossenen 115 crore profitieren und entschädigt werden, ist schwierig. Inzwischen sind Preise und Entschädigungen gestiegen, Tribals (Adivasi) und Nontribals bekommen unterschiedliche Entschädigungen und wie viel Geld illegal "hängenbleibt" ist nicht absehbar. Auch wieweit Tribals profitieren, ist nicht ausgewiesen: Sie bekommen Land für Land und Haus für Haus, also kein Geld. Bezüglich der Dörfer im Bereich unserer Partnerkirche gibt es noch keine Berichte. Zuerst entschädigt werden jene Dörfer, die direkt im Baugebiet des Staudammes und seiner Kanäle liegen - jene, die dann durch den Stausee überschwemmt werden, kommen sicher zuletzt (oder gar nicht mehr) dran ...

Die hohe Summe des Gesamtbeschlusses zeigt, dass das Projekt ambitioniert angegangen wird und wohl tatsächlich bis 2018 fertig werden soll, wie Regierungsvertreter es beteuern.

3. 2.2016 Betrug an Tribals geht weiter

Über diesen Link kommen sie auf eine Webseite mit einem Artikel, wie Stammesleute gegenüber Non-Tribals im Nachteil sind. Es geht vor allem um Übervorteilung bei Entschädigungen für Land. So fälschen oder erpressen Nontribals Besitzdokumente und kassieren von korrupten Beamten die Entschädigungen. Der Artikel enthält diverse Beispiele - die Spitze des Eisberges. Hier der Link. 

1. Februar 2016 Deutsche Firma Bauer profitiert

Nr.56/3 des Rundbriefes der Adivasi-Kommission fasst die Situation gut zusammen:
Deutsche Firma in Polavaram- Staudammprojekt eingestiegen. 

Nach jahrzehntelangen Verzögerungen scheint das umstrittene Polavaram-Staudammprojekt in Südindien jetzt doch realisiert zu werden. Ende Oktober 2015 wurde mit dem Bau der Staumauer begonnen. Mit im Boot ist seit September 2015 das deutsche Spezialtiefbau-Unternehmen Bauer aus Schrobenhau- sen/Oberbayern. Seit der Baufreigabe des Großprojekts 2004 kam es immer wieder zu Baustopps. Das Projekt umfasst den Damm, eine Wasserpumpstation und zwei 100 km lange Kanäle zur Umleitung des Wassers. Nur diese wurden bislang in Teilen fertiggestellt. Nichteingehaltene Umweltauflagen, Widerstand aus der Bevölkerung und die schwierige Finanzierung waren die Gründe, warum der Bau immer wieder unterbrochen werden musste. Der Staudamm, der der Energiegewinnung dienen soll, bedroht 276 Dörfer mit insgesamt 177.275 Menschen. Andere Zahlen gehen von 400.000 Betroffenen aus. Die meisten von ihnen sind Dalits und Adivasi. 63.691 Hektar Land, das Lebensraum und Lebensgrundlage für viele Menschen, Tiere und Pflanzen bildet, würden durch die Aufstauung des Godavari-Flusses geflutet.
Noch nicht abgeschlossene öffentliche Anhörungen zum Projekt in den Bundesstaaten Odisha und Chhattisgarh werden von der Zentralregierung in Delhi und der des Bundestaates Andhra Pradesh ignoriert. Am 20.Oktober 2015 begann der Bau der Staumauer. Ingenieure, Verantwortliche und mehrere Regierungsbeam- te bestätigen, dass der Staudamm 2018 fertiggestellt werden soll. Am 11.Oktober 2015 entschied das Kabinett in Delhi, das Projekt von den jetzigen Bauauflagen zu befreien, welche unter anderem den Bau des Dammes verboten. Von verschiedenen Seiten wurde der Vorwurf geäußert, die Regierung missachte Normen und verbreite falsche Fakten. Trotzdem beteiligt sich die deutsche Bauer GmbH in einem Gemeinschaftsunternehmen mit dem indischen Partner Larsen & Toubro GeoStructure am Bau der Staumauer. Es war geplant, im November 2015 mit dem Bau der Schlitzwand zu beginnen und diese im Jahr 2017 fertig zu stellen. Das Auftragsvolumen beträgt 60 Millionen Euro. In einer Pressemitteilung vom 28. September 2015 wirbt Bauer damit, die Wasser- und Stromversorgung der Region zu unterstützen. Viele der von der Zwangsumsiedlung betroffenen Menschen wurden kaum entschädigt und ihr Recht auf Mitbestimmung wurde ignoriert. Dorfbewohner, die bereits vor neun Jahren umgesiedelt wurden, haben bis heute nicht das ihnen zustehende Ackerland erhalten. www.aswnet.de (Aktionsgemeinschaft Solidarische Welt e.V., Berlin – 2.11.2015)

07. Januar 2016 Indiens Mega-Träume

Während die Streitigkeiten um das Polavaram-Projekt weitergehen (so begehrt der Bundesstaat Orisha erneut auf und wehrt sich gerichtlich gegen das Projekt, von dem auch Stammes-Dörfer in seinem Bereich betroffen sind) und gleichzeitig die Arbeiten am Staudamm fortschreiten, macht ein Artikel über Indiens weitere "River-Linking"-Pläne die Runde. Hier eine Zusammenfassung der Adivasi-Kommission über einen Artikel von Ulrike Putz:

Wasserprojekt der Superlative: Indien möchte 37 Flüsse landesweit miteinander verbinden, um Überschwemmungen, Dürren und Stromknappheit zu verhindern. Doch Umweltschützer wollen den Kanalbau unbedingt verhindern.

"Gebt unseren Bauern Wasser und seht, welche Wunder sie vollbringen können", sagt Narendra Modi. Um die Wirtschaft auf dem Subkontinent anzukurbeln, unterstützt Indiens Ministerpräsident ein gewaltiges Wasserbauvorhaben - das sogenannte River-Linking-Projekt.

Der Plan ist ambitioniert: Kanäle sollen Wasser aus Überschwemmungsgebieten in von Dürre geplagte Regionen leiten, sodass in beiden Landstrichen die landwirtschaftliche Produktivität erhöht werden kann. Gleichzeitig sollen Dämme und Wasserkraftwerke große Mengen des in Indien händeringend benötigten Stroms produzieren.
Fast 15.000 Kilometer neue Wasserstraßen sollen gebaut werden - siehe Karte unten. Deutlich länger als das gesamte deutsche Autobahnnetz. 3000 teils riesige Staudämme und 30 Kanäle sind vorgesehen. 175 Billionen Liter Wasser könnten so laut der zuständigen Behörde für Wasserentwicklung (NWDA) pro Jahr umgeleitet werden - das entspricht der vierfachen Wassermenge des Bodensees. An den Staudämmen, die für das Projekt gebaut werden sollen, könnten laut Plan 34 Gigawatt Strom produziert werden. Die Gesamtkosten werden mit mehr als 150 Milliarden Euro veranschlagt.
Doch das Mammutprojekt stößt auf immer mehr Widerstand. Etwa bei Himanshu Thakkar, einem Ingenieur vom Südasiatischen Netzwerk für Dämme, Flüsse und Menschen (SANDRP). Wenn man ihn nach seiner Meinung zum größten Wasserbauprojekt in der Geschichte Indiens fragt, wird selbst ein so besonnener, akribischer Mensch wie er deutlich. "Das ganze Vorhaben gehört verboten", sagt Thakkar.
Wenn Indien allen Ernstes 37 seiner Flüsse miteinander verbinden wolle, müssten "Hunderte riesiger Dämme gebaut werden", so Thakkar. "Die Schäden für die Umwelt und die Bevölkerung wären wesentlich größer als beim Drei-Schluchten-Staudamm in China. Es wäre ein gigantisches Disaster." Der Stausee des Drei-Schluchten-Damms ist mehr als 600 Kilometer lang, Millionen Menschen wurden zwangsweise umgesiedelt.

Eigentlich stand der erste Spatenstich zu Indiens kühnstem Bauvorhaben unmittelbar bevor. Ende Dezember sollte mit dem Bau eines ersten 220 Kilometer langen Kanals begonnen werden, mit dem im Bundesstaat Madhya Pradesh zwei Flüsse, der Ken und der Betwa, verbunden werden sollten. Doch der bevorstehende Baubeginn rief Umweltschützer und Aktivisten auf den Plan. Sie überzogen die zuständigen Gerichte mit Petitionen, das Projekt liegt vorerst auf Eis.

Kritiker kreiden der Unternehmung River-Linking eine ganze Reihe von Schwächen an:
Durch die geplanten Stauseen würden bis zu 500.000 Menschen vertrieben, warnen Aktivisten. Besonders indigene Völker, die in und von den Urwäldern Indiens lebten, seien bedroht, sagt Sushmita Sengupta vom Zentrum für Wissenschaft und Umwelt (CSE) in Neu-Delhi. "Die Regierung hat zwar angekündigt, die Stämme umsiedeln zu wollen, aber das hat in Indien noch nie Erfolg gehabt." Thakkar warnt, dass allein 10 Millionen Inder von der Flussfischerei und der Flussschifffahrt lebten. "Ihre Lebenswelt würde zerstört."
Indiens Flora und Fauna könne nicht absehbaren Schaden nehmen, warnen Tierschützer. Das derzeit gestoppte Projekt beispielsweise gefährdet die Tiger im Panna-Nationalpark. Tausende andere Arten seien ebenfalls gefährdet, wenn die Flussverbindungen gebaut würden.
Es sei jetzt schon klar, dass das Projekt im Sumpf der indischen Politik versinken werde, sagt Sengupta. "Wasserpolitik ist Sache der Bundesstaaten. Doch der Plan sieht vor, Wasser über Bundesstaatsgrenzen hinweg umzuverteilen - das wird zu endlosem Streit führen", so die Ökologin.
Das Vorhaben sei ein Prestigeprojekt für die Regierung Modi, sagt Thakkar. Dabei entspreche das umstrittene Projekt schon längst nicht mehr dem Stand der Wissenschaft. "Es gab eine Zeit, als Dämme als die Tempel des modernen Indiens gefeiert wurden", sagt der Ingenieur. Die Idee, Wasser aus Überflussgebieten in Mangelgebiete umzuleiten und dadurch die Wasserknappheit zu bekämpfen, zeuge heute von ökologischer Ignoranz. Indien lebe gar nicht von Fluss- sondern von Grundwasser. Etwa zwei Drittel der Landwirtschaft werde mit Grundwasser betrieben, es gelte daher, die Grundwasserreserven aufzufüllen statt Flüsse umzuleiten. "Kleine Projekte, dezentralisierte Ansätze" empfiehlt der Thakkar.
River-Linking werde von einer Lobby vorangetrieben, die damit viel Geld zu verdienen gedenke, sagt Rajendra Singh. "Es ist ein Plan, der die Nation spalten wird, von dem nicht der kleine Mann sondern allein Großunternehmen profitieren werden", so der Experte für Regenwassernutzung. Singh wurde 2015 mit dem prestigereichen Stockholm Water Preis - dem sogenannten Nobelpreis für Wasser - ausgezeichnet.
Doch trotz der Einwände der Experten macht die Regierung Druck, das auf Jahrzehnte angelegte Projekt in Angriff zu nehmen. Den Kritikern bleibt der Gang vor den Kadi, und auf den ist in Indien in einer Hinsicht Verlass: Klagen und Prozesse gehen nur im Schneckentempo voran. "Wir werden River-Linking im Gerichtssaal ausbremsen", sagt Thakkar.
Zusammengefasst: Ein gigantisches Wasserbauprojekt soll mehrere der großen Probleme Indiens auf einen Schlag lösen. Die Regierung verspricht Strom, weniger Überschwemmungen und bessere Ernten. Doch Umweltschützer kritisieren die Kanalpläne. Sie warnen vor Zwangsumsiedlungen, Umweltzerstörung und Großunternehmern, die nur ans eigene Geschäft denken.

Ulrike Putz ist Korrespondentin von SPIEGEL ONLINE und berichtet über Indien und den Nahen Osten. Hier ihr Original-Artikel.

28.Dezember 2015  Deutsche Firma am Staudamm beteiligt?

Über die Adivasi-Kommission bekomme ich die Information, dass nun eine deutsche Firma vom Staudammprojekt profitiert. Falls sich dies bestätigt, wird diese Firma entsprechende Reaktionen deutscher NGOs bekommen. Den riesigen Auftrag wird das nicht verhindern - aber ein zur Mitsprache berechtigter Verbündeter könnte darauf achten, dass die Versprechen zur Umsiedlung und Entschädigung eingehalten werden. Hier die Pressemitteilung:

BAUER Gruppe mit den Schlitzwandarbeiten für den Polavaram Damm in Indien beauftragt: 

Schrobenhausen – Die BAUER Spezialtiefbau GmbH konnte im September einen weiteren Großauftrag erhalten. In einem Joint Venture mit dem indischen Partner L&T GeoStructure wurde das Unternehmen beauftragt, eine Schlitzwand für den Polavaram Damm in Indien zu erstellen. Das Auftragsvolumen beträgt insgesamt über 60 Millionen Euro.

Der Polavaram Damm, der im Osten des Landes im Bundesstaat Andhra Pradesh entsteht, wird der Wasser- und Stromversorgung der Region dienen. Die Spezialtiefbauarbeiten umfassen die Erstellung von 68.000 Quadratmeter Schlitzwand auf einer Länge von 1,5 Kilometer und bis in 110 Meter Tiefe. Bauer wird dabei zwei Bauer-Seilbagger, einen MC 96 mit Greifer und einen MC 128 mit einer Schlitzwandfräse BC 40, zum Einsatz bringen.

Die Arbeiten am Projekt sollen im November mit der Mobilisierung der Baustelle beginnen und bis Ende 2017 abgeschlossen sein.

 

18. August 2015 Pattiseema-Pumpstation umstritten

Um genügend Wasser in den Kanal zu bekommen, der bis nach Vijayavada führt, wird beim Dorf Pattiseema eine riesige Pumpstation errichtet. Diese war von Beginn an umstritten. Nun gibt es im Indian Express genauere Zahlen. Danach kostet das Betreiben der Pumpen täglich 1,53 crore (=22.108 €). Bei zwei Tagen Betrieb sind das Kosten in Höhe des gesamten Energiebedarfs der Großstadt Vijayavada, incl. deren Industrieanlagen. Hier finden Sie genaue Zahlen.

hbr 

29.Juli 2015 Foto Staudamm

Nun gibt es ein erstes Foto vom Beginn des Staudamm-Baus, erschienen in der Odisha Sun Times. Obwohl der Bundesstaat Odisha weiterhin Einspruch erhebt und öffentliche Anhörungen zur Umsiedlung mehrerer Tribal-Dörfer in Odisha fordert, hat die Regierung von Andhra Pradesh mit dem Bau des Dammes begonnen. Mehrere Minister haben betont, dass das Projekt 2018 fertig werden soll.

Anmerkung: Das Foto ist ein Fake bzw. irgendein anderer Damm. So weit wird der Damm nicht vor Ende 2018 sein, wenn überhaupt .... (4.4.17).

 hbr

24.07.2015 Fertigstellung bis 2018

Ingineure und Verantwortliche gehen davon aus, dass der Staudamm 2018 fertig gestellt wird. Gestritten wird noch, ob das Pattiseema-Project als Teil des Polavara-Projektes gilt. Es handelt sich dabei um eine gigantische Wasser-Pumpstation, die den rechten Hauptkanal mit Wasser aus dem Stausee versorgen soll. Hier finden Sie eine Übersichtskarte, wie in Indien beliebt per Hand gezeichnet.

04.07.15 Baubeginn Staumauer 20. Oktober 2015

Heute berichten indische Zeitungen über den Beschluss des Parlaments von Andhra Pradesh, am 20. Oktober 2015 mit dem Bau der Staumauer des Polavaram-Damms zu beginnen. Sieben Dörfer müssen dafür jetzt verlegt werden und sollen umgehend die Entschädigung bekommen. 60 crore (= 8,51 Mill.€) wurden dafür eingeplant.

Am selben Tag wird der Premier-Minister Narendra Modi den Grundstein für eine neue Hauptstadt des Bundsstaates Andhra Pradesh legen: Amaravati. Amravati ist heute eine 14.000 Einwohner zählende Kleinstadt an der Krishna westlich von Vijayawada und soll dann zu einer modernen Großstadt ausgebaut werden. 

Gleichzeitig soll der rechte Kanal bis nach Vijayawada fertig gestellt werden und so die Godavari mit der Krishna verbinden. Hierfür wurden 701 crore (99,5 Mill. €) freigegeben.

25.6.2015 "Indira" aus dem Namen entfernt

Die Regierung von Andhra Pradesh hat den Namen des Projektes geändert. Statt "Indira Sagar Polavaram Project" heißt das Staudammprojekt jetzt "Polavaram Irrigation Projekt". Die Congresspartei hat scharf protestiert und sieht das Erbe der ehemligen Ministerpräsidentin Indira Gandhi beschmutzt. Die Regierung steht jedoch der BJP nahe und ist wohl der Meinung, dass dieses Jahrhundertprojekt nicht mit einer bestimmten Dynastie verbunden werden soll.

S.Rambabu 

21. 05.2015 Keine Entschädigung 

Die Ahnungen, dass Tribals leer ausgehen, bekommt leider Beispiele. So wurde das Stammesdorf Angaluru ebenfalls zerstört. Bei starkem Polizeiaufgebot wurden am 18.5. insgesamt 24 "pucca-houses" (=Wohn-Hütten) dem Erdboden gleich gemacht. Die Dorfbewohner haben massiv demonstriert und die Häuser blockiert. Einige junge Leute haben sogar Selbstmord angedroht. Einige wurden verletzt und im Krankenhaus behandelt.

Keine der Familien hat Entschädigung bekommen. Gemäß dem "Packet" von 2006 ständen ihnen ein neues Haus zu und gleichwertiges Land in bis zu 2 km Entfernung. Beides haben sie nicht bekommen.

Schon 2006-2007 wurden Dörfer zm Bau der Kanäle und Stauanlagen umgesiedelt. Diese Familien haben zwar Bescheinigungen für Landrechte bekommen, jedoch bis heute kein Land. (THE HINDU 21.5.15)

20.05.2015 Vorgehen bei Räumung

Während die Beteuerungen, das Projekt werde in 5 Jahren fertig und das Ringen um Mittel von der Zentralregierung weitergeht, werden mancherorts bereits Orte geräumt. In der Region der Kanäle und im Staudammbereich wurden Dörfer umgesiedelt und Tribals haben Ersatz bekommen. Nun liest man erste Berichte über die gewaltsame Räumung eines Dorfes.

Die 71 Familien, alle Nontribals, in Devipatnam in East-Godavari wurden vor 5 Jahren entschädigt. Sie haben das Geld für die Häuser (je Haus 155.000 Rs) genommen, ebenso für die Felder (je acre 110.000 Rs.). Dann sind sie geblieben - das Geld ist vermutlich inzwischen aufgebraucht. Nun fordern sie die Differenz zur Entschädigung heute und ein neues "Paket". Wegen der Preissteigerungen für Land und Zusagen der Regierung an Betroffene ist die Entschädigung inzwischen drei- bis viermal so hoch wie vor 5 Jahren. Die Regierung hat jedoch abgelehnt und mit Bulldozern 71 Hütten mit Hofstätten zerstört. Die Leute stehen zumeist vor dem Nichts ... (Quelle: www.sakshipost.com 19.5.)

Anmerkung: So wird es leider auch in vielen von Nontribals bewohnten Dörfern im Gebiet der Kirche aussehen. Z.B. Rudramakotta ist bereits  entschädigt worden ...

hbr 

17. März 2015 Weitere Auseinandersetzungen

Die Diskussionen gehen weiter. Nicht mehr "ob" sondern vor allem "wann" und "mit welchem Geld" sind die Themen. Politiker aller Parteien bereisen die betroffenen Regionen und positionieren sich. Über diesen Link finden Sie einen guten Artikel zur Deportation von Tribals. Der Beitrag in TheHansIndia zeigt eindrücklich auf, dass vor allem die Stammesleute Opfer von Großprojekten in Indien geworden sind. Während die Tribals nur 8% der Bevölkerung Indiens ausmachen, waren sie seit der Unabhängigkeit zu 50% jene, die wegen diverser Projekte umgesiedelt wurden. Im Zeitraum 1951-1990 wurden 21,3 Mill. Inder umgesiedelt, 8.54  Mill davon waren Tribals. Und noch schlimmer: von diesen 8,54 Mill. haben nur 2,12 Mill. Menschen die Leistungen des Staates erhalten.

Auch für die durch das Polavaram-Projekt betroffenen Menschen fürchten NGOs und Opposition ähnliche Verhältnisse. D.h. am Ende könnten nur 1/4 der Menschen Hilfe vom Staat erhalten. Der Artikel bemängelt vor allem, dass noch immer nicht das bereits 2006 von den Gerichten auferlegte Gremium zur Vertretung der Betroffenen eingerichtet wurde. Nur wenn es dieses Gremium gibt, haben die Betroffenen eine Stimme gegenüber den staatlichen Institutionen. Nun aber gibt es keine Vertretung der Tribals, die wirklich Gehör findet.

Das Foto zeigt den Bau einer riesigen Pumpstationen für das Wasser aus dem Stausee, das per Pipeline nach Satupally transportiert wird. Aufgenommen wurde es im März von Hermann Brünjes Nähe Narayanapuram.

7. März 2015 resignierende Stimmen

Die renomierte Zeitung The Hindu schreibt, dass nach vielen Jahren des Träumens von diesem Projekt, angefangen 1941, nicht nur die Kosten von 6,5 crore auf 16.500 crore gestiegen sind, sondern auch Insider nicht mehr glauben, dass es überhaupt fertig wird.
Zur Ankündigung, dass Entwicklungsminister D. Umamaheswara Rao es in vier Jahren fertigstellen will, meint niemand anders als der Ministerpräsident N. Chandrababu Naidu selbst: "Wenn die Widerstände zum Projekt in diesem Maße weitergehen, wird das Projekt in naher Zukunft nicht realisierbar."

Ein leitender Ingineur dazu: "Ich, als Chefingineur und Berater von 1982-2012 habe jede Hoffnung auf Fertigstellung verloren. Vielleicht erleben meine Enkel sie noch - wenn sie Glück haben."

2.3.2015 Zentralregierung gibt kaum Geld

In seiner letzten Haushaltsverabschiedung hat die Zentralregierung in New Delhi lediglich 100 Crore Rs. (144.500 €) für das Polavaram-Projekt bewilligt. Erwartet wurden 1.300 Crore Rs. Nun ist die Fertigstellung des Projektes zum ehrgeizigen Termin 2018 so gut wir unmöglich geworden. Die Opposition macht dafür den neuen Chiefminister von Andhra Pradesh Chandrababu Naidu verantwortlich. Ihm wird vorgeworfen, statt für das Wohl seiner Wähler und der Bevölkerung einzutreten, in Delhi lediglich für seine eigenen Interessen und sein Ansehen zu arbeiten. Mitglieder aus Dehli weisen am 3.3. allerdings darauf hin, dass der Betrag für die laufenden Kosten der jetzigen Arbeit gedacht ist - für den Bau des Staudammes würde separate Gelder zur Verfügung gestellt, wenn alle Unterlagen vorliegen.

hbr 

4.1.2015 Chiefminister AP besucht Baustelle, diverse Entwicklungen

Andhra Pradeshs Chief Minister N Chandrababu Naidu hat die Baustelle besucht und in diversen Treffen etwas zum Polavaram-Projekt gesagt.

Vor allem die Ankündigung mit Bitte um Prüfung, ob der Damm nicht von 150 auf 168 feet erhöht werden kann, hat für enorme Unruhe gesorgt. So protestieren Stammesdorfer und NGOs weil dies eine weitere Vernichtung von vielen Dörfern bedeuten würde. Auch der Tempel in Bhadrachalam wäre betroffen - und damit große Teile der Stadt. 

Farmer, die von dem Verbinden der Godavari und Krishna profitieren, beklagen, dass noch 45 km zur Fertigstellung des Kanals fehlen. Sie fragen, wie dies in 8 Monaten fertig werden soll, wenn es wegen laufender Gerichtsverfahren bis heute nicht geschafft wurde. Sie befürchten eine politische Taktik auch hinter den Erhöhungsvorschlägen durch den Chiefminister: Er sei eigentlich gegen das Projekt und wilkl es verhindern. Öffentlich tritt er dafür ein, tatsächlich hofft er auf neue Gerichtsverfahren, durch die das Projekt blockiert wird.

Währenddessen verspricht der Chiefminister selbst allen Bewohnern der 7 betroffenen Bezirke (Mandals), dass man sich ausreichend um sie kümmert. Auch die Forderung, die Entschädigungen deutlich anzuheben, hört er sich an. Er bleibt dabei, dass das Projekt in 4 Jahren fertig werden soll.

Kommentar: Fast täglich gibt es Zeitungsmeldungen. Das Projekt ist schon lange ein Spielball politischer Interessen. Leidtragende sind vor allem jene Menschen in den 7 Destrikten. Sie haben keine Sicherheiten mehr und durch das Leben in der Enklave zwischen Telangana und Andhrapradesh werden sie in allen Bereichen benachteiligt und teilweise sozusagen kaltgestellt. Bildung, Verwaltung, Wirtschaftliche Entwicklung, Infrastruktur usw. alles liegt danieder.... und genau in diesem Gebiet leben die meisten Gemeinden der GSELC.

28.11.2014 Meldung THE HINDU: Finanzierungsprobleme 

Die renomierte Zeitung schreibt, dass der leitende Ingineur des Projektes dem Minister für Entwicklung die Situation dargelegt hat. Danach sind erst 4,6% der nötigen Erdbewegungen ausgeführt. RS 186 crore  (24,15 Mill. €) hat die Regierung bezahlt, Rechnungen in Höhe von RS 1.288 crore (167,3 Mill.€) stehen noch aus. Ohne Zahlung dieser Gelder wird mit Baustopp gedroht. 

Ein wichtiges Hindernis beim Bau ds Hauptdammes ist der Widerstand der Stammesbevölkerung. Sieben Tribaldörfer sind betroffen. Wenn sie nicht sofort evakuiert werden, kann nicht weiter gebaut werden. Gemäß dem mit der Umsetzung der Entschädigungen zuständigen Mr. T.Baburao Naidu wurden den Bauern bereits RS 1,4 lakh (1.800 €) je Morgen als Entschädigung gezahlt. Da nun die Preise gestiegen sind, fordern sie jedoch das zweieinhalbfache und verlassen das Land nicht. Der Damm ist nur mit 1,2% fertiggestellt. Durch den starken Widerstand sind außerdem betroffen: Der Überlauf, der Überlaufkanal, ein Zufahrtskanal und diverse Erdarbeiten.

Der Grundstein für das Polavaram-Projekt wurde vom inzwischen verstorbenen Ministerpräsidenten YS Rajasekhar Reddy gelegt. Schon 2012/11 waren die Kosten auf RS 16.010 crore (2,7 Milliarden €) gestiegen. Obwohl das Projekt im letzten Jahr den Status als National-Projekt bekam, ist noch kein Geld von der Zentralregierung geflossen. Für 2014/15 wurden RS 250 crore in den Haushalt eingestellt.

Nach diversen Verlautbarungen in letzter Zeit will die Regierung das Projekt in vier Jahren fertig stellen. (Anmerkung H.Brünjes: Was seit 2004 behauptet wird, auch um Druck auf die Widerständler zu machen. Mit 10 Jahren ist m.E. mindestens zu rechnen.)

3.11.2014  Es wird weiter gebaut 

Mit einer Delegation aus Ostfriesland habe ich am 3.11. die Baustelle des Bereiches um den Staudamm besucht. Seit Januar wurde hier weiter gebaut. Ein Sumpf ist völlig zugeschüttet, diverse Auffangbecken gegraben worden und die Tunnel des Kanalsystems wurden befestigt. Es ist eindeutig und sichtbar: Dieses Projekt wird trotz aller laufenden Verfahren und Proteste durchgeführt - auch und vielleicht gerade wegen der neuen Staatsgründung von Telangana.

Was denken unsere Partner über den Staudamm? Wir befragen nur Einzelne und sind erschrocken über das Desinteresse und die Schicksalsgläubigkeit. Es scheint fast wie bei der Arche Noah: erst als das Wasser kam, glaubten die Menschen das Unheil. Dabei wäre jetzt wichtig, Entscheidungen zu treffen. Wahrscheinlich wird jenen, die zuerst kommen noch am meisten Entschädigung zuteil - und die Letzten werden leer ausgehen. Es wäre so dringend, Strategien für die Christen, die Gemeinden und die betroffenen Dörfer zu entwickeln, die Landrechte urkundlich zu sichern usw. Leider haben unsere Partner wegen der innerkichlichen Probleme dafür kein Ohr.

Lingaraj Panda

17. Juli 2014 Verstärkter Protest gegen den Staudamm 

Nach den Wahlen, bei denen in der Zentralregierung die Congresspartei abgelöst wurde und auch in den vom Polavaram-Staudamm betroffenen Bundesstaaten die BJP und koallierende Parteien das Rennen gemacht haben, wird wieder neu und sehr engagiert über den Staudamm gestritten. Diverse Demonstrationen (auf dem Foto von Lingaraj Panda BJD - Politiker, die ein Memorandum gegen das Projekt vorlegen wollen) von Politikern, Parteien und vor allem Organisationen der Adivasi leben neu auf.

Streitpunkt sind vor allem zweierlei: Die Höhe des Staudammes. Geplant war er mit 150 feet und sollte dann auf 154 feet angehoben werden. So werden fast 300 Dörfer überschwemmt. Gefordert wird eine Änderung des Designs und ein Damm, der nur 100 feet hoch ist. So werden nur 5 Dörfer vernichtet!!! Der zweite Streitpunkt betrifft 136 Dörfer im Khammam Dt., die im Überschwemmungsgebiet des Projektes liegen. Diese wurden bei der Staatengründung Telanganas herausgenommen und A.P. zugeschlagen. Andhra soll also für die Rehabilitation aufkommen und hat dies auch zugesagt. Nun beansprucht Telangana die Dörfer jedoch für ihr Staatsgebiet - das alles geht schon jetzt zu Lasten der Dorfbewohner jener Region, da keiner der Bundesstaaten sich mehr richtig verantwortlich fühlt. Die GSELC ist von dieser Stiuation in so gut wie allen Dörfern betroffen. 

2.Juli 2014 Ein neuer Staat beginnt: Telangana

Und das hat Auswirkungen auf das Polavaram-Projekt. Welche, ist allerdings noch nicht klar. Am 29.5.14 haben Andhra- und Telangana-Politiker eine Vereinbarung getroffen: Die vom Polavaram-Projekt betroffenen Regionen sollen weiterhin zu Andhra-Pradesh gehören (somit spart A.P. Entschädigungszahlungen an Telangana und kann es mit den 7 betroffenen Landkreisen=Mandals selbst ausmachen).

Das Gebiet ist genau jenes, in dem die GSELC arbeitet: 7 Mandals im Khammam Destrikt (der ansonsten zu Telangana gehört) mit 136 Dörfern und 211 Weilern (kleinen Siedlungen). Mehr als 75% der Bevölkerung dort sind Adivasis vom Koya-Stamm. 

Im Moment ist erneut ein Streit entfacht: Telangana will diese Mandals wieder zurück. Der Staudamm soll nicht wie geplant gebaut werden, sondern eine der 7 Alternativen mit mehreren kleineren Projekten wird favorisiert. Sowohl Andhra als auch Telangana versuchen nun, den neuen Staatspräsidenten Narendra Modi in Delhi für ihre Position zu gewinnen. Der Ausgang ist offen .... wie schon seit Jahren. Derweil wird allerdings (außer am Damm selbst) weitergebaut.

10.1.2014 Besichtigung der Bauarbeiten und Infos vor Ort

Zusammen mit Ferdinand Schirrmeister konnte ich im Januar das Gebiet des Staudammbaus erstmals besuchen. Der Eindruck ist immens: Zusammen mit dem bereits fast fertigem Kanal und der Pipeline nach Satupalli ist der Indira-Sagar-Staudamm ein kaum zu übertreffendes Mammutprojekt, das kaum noch abgebrochen werden kann. Fast nur der Staudamm fehlt. Es sind kilometerweit Unmengen an Stein und Erde bewegt worden, ganze Hügel eingeebnet, Täler zugeschüttet, Schleusen und Dämme angelegt worden. Zwei lange Tunnel sind gegraben worden und führen den Kanal mitten durch einen Berg hindurch. Sümpfe wurden und werden trocken gelegt, vermutlich mit geschützten Arten und ganz sichtbar durch Fischerfamilien Fischgründe für die hier lebenden Koyas. Diverse Straßen sind für den Baubetrieb gebaut worden und befahrbare Dämme aufgeschüttet. Es wurden und werden Dörfer verlegt und mindestens vier, teilweise recht komfortable Rehabilitationsdörfer, sind aufgebaut worden: Gunjavaram (große Häuser mit Eigenbeteiligung), Maminigundi, Chegundupalli und Devaragundhi. In allen neuen Siedlungen sind auch Kirchen und Tempel gebaut, dazu Gemeindezentren. Es macht einen guten Eindruck und ist mit Sicherheit als Lockmittel bestens geeignet.
Die Kompensation allerdings läuft schleppend. Die Stammesleute in Marmidigundi und Kotagudi warten noch auf Zahlungen, wollen erst umsiedeln, wenn sie das Geld und 1:1 Haus und Land erhalten haben, auch für die Bäume und nicht beweglichen Besitztümer.

Nach diesem Besuch habe ich alles in allem den Eindruck, dass der Damm nach einigen Jahren kommen wird. Auch die Gerichtsurteile werden das wohl irgendwann nicht mehr verhindern. Die Schätzungen sind nur vorläufig und hängen sehr vom Wahlausgang in diesem Jahr ab. Die Regierung in Delhi hat den Handel mit dem bundesstaat Andhra Pradesh gemacht: Ihr gebt Telangana die Selbstständigkeit, wir geben euch den Nationalstatus des Polavaramprojektes (d.h. auch Geld dafür). Ob die neue Regierung dazu steht, werden die Wahlen mit entscheiden - es sieht aber im Moment ganz danach aus.

Für die Hostel und vor allem für die Gemeinden erwarte ich extreme Einschnitte in einigen Jahren. Es wird kaum etwas bleiben wie es ist, da ca. 60 % der Kirchengemeinden betroffen sind. Die Frage wird sein, welche Tribaldörfer sich noch entscheiden können, wohin sie umgesiedelt werden. Zum Ende des Baues hin wird es kaum noch Hilfe geben, da sowohl das Geld ausgeht als auch der Platz für geeignete und im Nahbereich liegende neue Dörfer. Die jetzt vom Kanal und Staudamm betroffenen Dörfer kommen noch halbwegs entschädigt und mit Zukunftsaussichten davon - die später Umgesiedelten durch den Stausee werden wohl das Nachsehen haben.

Vielleicht muss man den Leuten doch raten, jetzt vorzusorgen: Dass Tribaldörfer geschlossen die Umsiedlung beantragen und sobald die Kompensation bezahlt und die Dörfer fertig sind, umziehen. Vorraussetzung dazu ist, dass die Pattas (Besitzurkunden) vorhanden sind. Dies ist oft, aber längst nicht immer der Fall. Die Nontribals müssten ihre Verträge mit der Regierung machen, sich jetzt entschädigen lassen und ebenfalls gemeinsam irgendwo siedeln. Es wäre vielleicht gar ein christlicher "Exedos" angebracht. Solches Vorgehen bedingt leider eine kompetente Kirchenleitung und Menschen mit Visionskraft, Mut, politischem Geschick und gesundem Glauben - und wo sollten die zur Zeit in unserer Partnerkirche sein?

Koyda: 11.1. Gespräch mit Pastor Mark und seiner Frau

In Koyda haben alle Parteien TRS, CPM, ABSP, CPIML gegen das Projekt gekämpft, ohne Erfolg. Die Leute haben am Ende eingewilligt, an die Hauptstraße nach Khammam umgesiedelt zu werden, in eines der großen "Townships". Welch ein Horror! Ich ermutige die beiden eindringlich, im Dorf darauf hinzuwirken, es mit den Dorfbewohnern nochmals zu versuchen, ein neues Dorf zugewiesen zu bekommen. Die Frau Marks ist jetzt Bürgermeisterin, hat also einen gewissen Einfluss. Allerdings machen sie keinen kämpferischen Eindruck, sondern eher den von sich in ihr Schicksal ergebenen Opfern.

Hier noch ein kritischer und informativer Zeitungsartikel vom 10.2.2014 

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2. Oktober 2013  Telangana 29. Bundesstaat

Heute wurde die Errichtung eines neuen Bundesstaates Indiens beschlossen. "Telangana" wird 29. Bundesstaat und bereitet sich auf die Selbstständigkeit vor. Noch sind viele Fragen ungeklärt, dennoch feiern jene Gruppen, die sich über viele Jahrzehnte vom Bundesstaat Andhra Pradesh benachteiligt fühlen. Seit 1956 der Nizam von Hyderabad die Gebiete abtrat, ist Telangana in Andhra Pradesh eingegliedert. Die wirtschaftlichen Fortschritte haben jedoch Gebiete im Süden und die Küstenregionen erlebt. Im Kernland Andhras hat sich vor allem Hyderabad entwickelt. Diese Methropole soll zunächst Hauptstadt beider Länder bleiben. Wie es weitergeht, ist noch nicht klar.

Was jedoch zu vermuten ist: Die A.P.-Regierung wollte unbedingt den Nationalstatus des Polavaram-Projektes, ohne den das Projekt nicht weiter finanzierbar ist. Um Delhi zu bewegen, diesen zu bewilligen hat das von der Congress-Partei regierte Andhra Pradesh seine ohnehin angeknackste Eigenständigkeit aufgegeben. Dies wird weitreichende Folgen für die Bevölkerung beider Bundesstaaten haben.

Die GSELC arbeitet vor allem im Khammam-Districkt, dem vom Polavaram-Stausee am meisten betroffenen Bezirk. Die Karte zeigt sehr gut, dass vor allem die Gebiete in Andhra von dem Stausee profitieren werden.

thindu 

Dienstag, 2. Oktober 2013 National-Status bewilligt 

Nun ist den Lobbyisten des Polavaram-Staudammes ein  bemerkenswerter Schachzug gelungen: Die Zentralregierung in Delhi hat dem Antrag auf Nationa-Status zugestimmt. Das bedeutet, es werden Gelder fließen und der Damm kann weiter gebaut werden. Außerdem geschieht dies jetzt nicht mehr nur im Sinne eines einzigen Bundesstaates, sondern ist im Interesse von Gesamt-Indien. Es ist ein Dasaster für jene, die noch hofften, den Damm stoppen zu können. Die nächste Meldung macht die Lage dazu deutlich, die Zukunft der Interessen zeigt diese Karrikatur aus TheHindu.

Ein wirklich guter Artikel und Kommentare dazu beschreiben die Lage zur Situation des Staudamms. Bitte folgen Sie dem Link.

Infos zur gegenwärtigen Situation, Fakten, Zahlen, Entwicklungen ...

6.4.2013  Bauarbeiten wieder gestoppt

Deccan Cronicle und Indian Express melden, dass auf Betreiben vom ebenfalls durch das Projekt betroffenen Bundesstaat Odisha die Bauarbiten am Staudamm durch die Zentralregierung in Delhi vorerst gestoppt wurde. Odisha opponiert seit Beginn gegen das Projekt, da auch dort Dörfer überschwemmt werden - und weil in Andhra Pradesh die Congress-Partei regiert, in Odisha dagegen die sozialliberale BJD (Biju Janata Dal). Das "Spiel" geht weiter .... (und einige Tage später sind die Nachrichten extrem verwirrend: Haben sie nun den Bau unterbrochen oder nicht? Die Einen sagen Ja, die anderen nein.)

Anfang 2013  Recherche vor Ort durch Klara Feldes

Klara Feldes war im September in Indien vor Ort und hat (vor Baubeginn des Dammes!) in den betroffenen Dörfern und in Zusammenarbeit mit NGOs und der GSELC recherchiert. In der Zeitschrift von Solidarische Welt e.V. findet sich darüber ein Artikel, der sehr treffend die Situation beschreibt. Frau Feldes schreibt über das Projekt und die Vertreibung ihre Masterarbeit - auf die wir gespannt sein können. Meine Mailantwort an sie: "Im Januar war ich in Indien. Aber unsere Partner blenden die Probleme aus und leben nur in der Gegenwart.
In diversen Nontribels-Dörfern wurden schon geringe Entschädigungen gezahlt, ebenso auch in Koya-Dörfern an Leute, die mehr Land haben. Einige der Landlords sind schon verschwunden. Die Meisten hoffen einfach, dass sich alles in Luft auflöst.
Den Eindruck habe ich aber nach der letzten Auftragsvergabe und den Baubeginn des Dammes nicht (mehr). Der finanzielle "point of no return" scheint überschritten zu sein … Wir können nur noch hoffen, dass Telangana kommt ..."

Den Artikel finden Sie aus technischen Gründen nicht hier sondern unter den allgemeinen Infos zum Polavaram-Projekt als PDF-download rechts.

März 2013

Indische Zeitungen berichten von der Grundsteinlegung für den Damm durch einen Farmer am 8. März 2013. Nach vielem hin und her hat neben der Firma Transstroy (India) Limited ein ausländisches Konsortium, JSC Engineering Centre UES (Russia), die Ausschreibungen für sich entschieden. Man rechnet nun mit Gesamtkosten von 7.332 crore ind.Rupien (= ca. 1,04 Milliarden Euro) und somit fast der Verdoppelung des zunächst angesetzten Betrages. Regierungsmitglieder argumentieren: "Wenn schon über 40% eines Projektes fertiggestellt sind, muss man den Rest auch bauen!" Inzwischen hat die russische Firma schweres Gerät zur Baustelle geschafft und die Arbeit soll beginnen.

In diesem Fall wird mit dem Bau der Staumauer entgegen der Proteste von Anwohnern, Parteien, Nachbarstaaten usw. und obwohl die Telangana-Staatengründung noch in der Schwebe ist, begonnen. Der Bundesstaat Andhra Pradesh lässt sich nicht irritieren und schafft Fakten. Auch von einer Anerkennung als nationales Projekt, genehmigt von der Zentralregierung in Delhi macht man sich nicht abhängig. Ich fürchte inzwischen, am Ende wird der Staudamm tatsächlich kommen - und in einigen Jahren der geplante Stausee und die Überschwemmung von 276 Dörfern. Link: Indian Express und The Times of India

Januar 2013

In seinem Sachbericht zur Delegiertenreise im Januar schreibt H. Brünjes Folgendes:
"Auch wegen der Diskussionen um einen separaten Staat Telangana ist beim Staudammprojekt nichts mehr in Bewegung. Am 28.1. will die Zentralregierung den Beschluss verkündigen (dies geschieht dann nicht, sondern wird wieder und wieder verschoben). Danach soll wohl ein eigener Staat gemacht werden, Hyderabad aber unabhängige Stadt bleiben. Mit dieser Lösung werden die Telangana-Aktivisten nicht einverstanden sein. Es wurde nicht weitergebaut, weder an den Kanälen noch an der Pipeline. Der Damm ist nun eine durchweg politische Angelegenheit, vorerst auf Eis gelegt aus finanziellen Gründen. Der CM hat zu Lebzeiten sehr viele Programme gepuscht (Housing, Straßen, Polavaram u.a.) und viel zuviel Geld ausgegeben. Jetzt will sein Sohn Jaggan da weitermachen, wo sein Vater aufgehört hat. Er verspricht dies und scheint gute Chancen zu haben, 2014 gewählt zu werden. Sollte dies geschehen und Telangana nicht kommen, könnte das Polavaram-Projekt nochmals aufgelegt werden. Im Moment allerdings sitzt Jaggan wegen falscher Angaben und Mißbrauch von Steuergeldern im Gefängnis. I like India!

Juli 2012

An den Kanälen wird weitergebaut. Gleichzeitig gibt es Demonstrationen und Gerichtsverhandlungen gegen den Damm. Es scheint, die Leute rechnen zwar noch mit dessen Bau, aber auch damit, dass er kleiner ausfällt und deshalb nicht alle 276 Dörfer betroffen sind. Nach wie vor gibt es Finanzierungsprobleme und das Bemühen, das Projekt mit National-Status zu versehen. 

Das Foto zeigt einen Ausschnitt des schon weitgehend fertiggestellten Kanals.

Januar 2012

Eigentlich hat sich formal nichts verändert: Wegen fehlenden Geldes wird bei der Zentralregierung um den "national status" des Projektes nachgefragt; es laufen diverse Prozesse gegen das Projekt; die Telangana-Diskussionen gehen weiter und Ergebnisse werden immer wieder verschoben; die Leute in den Dörfern sehen so gut wie keine Veränderungen - dennoch ändert sich manches: Im Kanal wird wieder gebaut (siehe Foto). Viele Maschinen und viele Menschen sind im Einsatz. Der neue Bauunternehmer nimmt seinen Auftrag offenbar ernst. Außerdem wurde ein neues Wasser-Rückhaltebecken im System der Pipeline nach Satupalli errichtet. Vieles also spricht dafür, dass die Regierung bei ihrem Kurs bleibt.

Gleichzeitig gibt es gegenläufige "Botschaften": Es werden Straßen neu gemacht und verbreitert. Ob diese nur dem Abtransport bei der Evakuierung dienen sollen? In manchen Dörfern wird mit Argument "Polavaram kommt und überschwemmt doch alles!" jede Verbesserung der Infrastruktur verhindert - in anderen Dörfern gehen sowohl Straßenbau als auch das Indira Housing- Programm weiter. Eine Hand weiß offenbar nicht, was die andere tut.

14.11.2011

Auf der Studienreise im Oktober entstand ein ambivalenter Eindruck: Die meisten Menschen in der Region halten es nicht mehr für wahrscheinlich, dass der Großstaudamm kommt. Sie richten sich vielmehr auf eine lange Zeit der Stagnation ein. Dafür sprechen für sie folgende Gründe. 1. Der Streit um einen neuen Bundesstaat geht weiter und es gibt durchaus Hinweise, dass "Telangana" kommt - und dann soll der Damm so nicht gebaut werden. Vielmehr priorizieren die Telangana-Vertreter ein Projekt mit ca. 6 kleineren Dämmen und wenig Umsiedlungen. 2. Die Kongresspartei ist sich nicht einig und droht zu zersplittern. 3. Es ist schlicht kaum Geld da. 4. Die Bauunternehmer sind korrupt und zuviel Geld verschwindet. Und 5. viele der Arbeiten stagnieren seit dem Tod des für dieses Projekt maßgeblichen Ministerpräsidenten oder laufen nur mit geringer Kraft.
Wenn man die offiziellen Verlautbarungen liest und die Statements der Politiker, bekommt man einen anderen Eindruck: 1. Es wurde ein Vertrag mit einem neuen Bauunternehmen, der SEW Infrastrukture abgeschlossen. Das Volumen beträgt 4.717 crore (= ca. 670 Mill. Euro). 2. Am Kanal wird weitergebaut. 3. Die Proteste gehen weiter. So haben 1.000 Anwälte gegen das projekt protestiert, die Parteien profilieren sich in ihrer Haltung zum Projekt und viele von ihnen wollen es modifizieren. Folglich: NGOs und indische Einrichtungen gehen durchaus davon aus, dass der Damm weiterhin auf der Prioritätenliste steht.

Meine Einschätzung: Es wird sich noch hinziehen und sich wahrscheinlich an der Telangana-Frage entscheiden.

30.4.2011 "Polavaram-Betrug" Immer mehr Gegenwehr

Regelmäßig werden wir über die Entwicklung in Indien informiert, vor allem über Pressemeldungen in Indien selbst. Hier finden Sie einen sehr interessanten Aufsatz über die Entwicklung und die gegenwärtige Lage. 52 Dörfer haben erneut Protest eingelegt wegen Verletzung ihrer Waldrechte. Die Zahl der Klagen steigt ins unermessliche. Geldgeber fehlen offenbar - und dennoch versuch der Bundesstaat weiterhin, das projekt durchzudrücken. "Polavaram-Betrug" nennt der Artikel die Vorgänge. Hier können Sie ihn im Internet lesen - wirklich sehr empfehlenswert!

30.10.2010 Alles beim Alten: Das Gerangel geht weiter

Auch während oder nach der Indienreise im Oktober gibt es keine neuen Erkenntnisse über den Fortgang des Polavaram-Projektes. Nu soviel: Das Gerangel um den Status als Nationalprojekt geht weiter. Die Zentralregierung bekommt nach wie vor enormen Widerstand aus Orissa und Chattisghat, da auch dort Stammesdörfer betroffen sind. Die Gerichte sind mit all dem beschäftigt. Die Telangana-Diskussion geht weiter. Und Letztere könnte den Ausschlag geben: Wenn eine von der Regierung eingesetzte Kommission Ende diesen Jahres wie angekündigt ihr Gutachten zu der Gründung eines neuen Staates vorlegt, werden die Weichen gestellt. Wenn der neue Bundesstaat "Telangana" darin befürwortet wird, kommt es wahrscheinlich nicht mehr zum Polavaram-Projekt. Die Telangana-Politiker sind dagegen. Wird die Staatsgründung abgelehnt, wird sich die Regierung von A.P. durchsetzen.
Im Moment gehen die Leute weitgehend davon aus, dass der Staudamm kommt - gleichzeitig aber auch davon, dass Telangana kommt. Man lebt im Hier und Jetzt. Die Mustersiedlung in Gullavai für die Umsiedlung zerfällt und wird von der Natur zurückerobert, bzw. man baut zwischen den Häusern Reis an (siehe Foto). Man muss halt das Beste draus machen.

29.07.2010 Grünes Licht vom Umweltministerium New Delhi

Indische Zeitungen und Online-Dienste melden, dass das Umweltministerium der Zentralregierung nun grünes Licht für die Abholzung von 3.473 ha Wald gegeben hat. Damit wurde ein Antrag der Regierung von Andhra Pradesh aus 2008 bewilligt, nachdem diese im September 2009 weitere Auflagen erfüllt habe und im Juni 2010 auch den Finanzierungsplan vorgelegt hatte.

Allerdings enthält die Genehmigung zwei wesentliche Bedingungen: Sofern es um für die Stammesleute geschütztes Land geht, müssen diese innerhalb einer festgelegten Frist gemäß dem vorgegebenen Zeitplan umgesiedelt werden und dies muss für alle transparent geschehen. Und: Wald auf dem Gebiet der Nachbarstaaten Orissa und Chattisgath darf nicht betroffen sein. Gerade letztere Bedingung werden die Gegner des Staudamms als indirekte Absage an das Damm-Konzept werten. Dieser kann nur in der geplanten Höhe gebaut werden, wenn der Stausee auch die Nachbarstaaten einbezieht. Diese wehren sich jedoch vehement dagegen. Folglich müsste der Damm niedriger gebaut werden - was jedoch nicht das benötigte Wasser aufstaut. Es bleibt offen, wie A.P. reagiert. Wahrscheinlich wird diese neue Genehmigung zunächst einmal benutzt, um den National-Status des Projektes voranzubringen. So käme man dann auch an neues Geld.

In der Zwischenzeit bleibt das Projekt weiter umstritten, auch in der eigenen Partei der Initiatoren. Vor allem geht der Streit um einen unabhängigen Staat Telangana weiter. Falls es dazu kommt, wird der Staudamm wahrscheinlich nicht gebaut. Nun aber sind zunächst die Befürworter einen (kleinen) Schritt weiter gekommen.

10.05.2010 Alles beim "Alten"

Es gibt keine neuen Nachrichten vom Projekt. Nach wie vor versucht Andhra Pradesh, den Nationalstatus für das Projekt zu bekommen. Die Zentralregierung scheint das Problem auszusitzen. Die Sache ist brisant: Die politischen Telangana-Streiter lehnen das Projekt ab, da es nur für Andhra-Gebiete wirklich etwas bringt.
Zur Zeit läuft eine Werbekampagne für das Projekt, angeführt von einem indischen Megastar, dem Filmschauspieler Chiranjeevi. Der tritt für den schnellen Bau des Staudamms ein und unternimmt eine Werbetour durch die betroffenen Gebiete. Der Medienrummel scheint groß zu sein, denn der Star bereist das Gebiet reitend auf dem Rücken von Pferden ... Allerdings mobilisiert das auch die Gegner. Die haben ihm angedroht, wenn er in das vom Stausee betroffene Gebiet käme, würden sie aus dem Pferd einen Esel machen. Und tatsächlich, von den im Internet angegebenen Orten kenne ich keinen einzigen. Ich glaube nicht, dass der Star es wagen wird, ins betroffene Stammesgebiet zu reisen. Er macht dort (für sich selbst) Reklame, wo die Nutznießer des Projektes sitzen. Der Congress-Partei wirft er Untätigkeit vor.

25.01.2010 Trotz vieler Fragen wird weitergebaut

Auf meiner Reise im Januar 2010 habe ich mich vor Ort über den Stand der Entwicklung zum Staudamm informiert. Hier die Meinung von Herrn Fayaz, der die Nicht-Regierungsorganisation SNEHA in der betroffnenen Region leitet (Auszug aus meinem Sachbericht):

Mr. Fayaz (SNEHA) geht davon aus, dass das Projekt nicht mehr weitergeführt werden kann, obwohl sich die Landesregierung auch unter dem neuen Ministerpräsidenten sehr bemüht. 1. Es laufen diverse Prozesse, deren Abschluss für eine Weiterführung notwendig ist. So hat das Land Orissa geklagt. Der Vorschlag, einen Deich an der Sabari zu bauen, damit keine Orissa-Dörfer betroffen sind, ist nicht umsetzbar. Dann müssten alle Genehmigungsverfahren für das gesamte Projekt wiederholt werden. Dies erscheint heute unmöglich. 2. Das Projekt hat heute zu viele Gegner, vor allem auch in der Centralregierung. Das bedeutet, das Geld würde nicht freigegeben werden und der von A.P. angestrebte Nationalstatus wird nicht durchkommen. 3. Die Finanzkrise hat auch A.P. voll erwischt. Es ist schlicht kein Geld mehr da, alles zu bezahlen. Dazu kommt, dass es Probleme mit den Bauunternehmern und Kurruption gibt. 4. Und hier sieht Mr. Fayaz das größte Hindernis zur Fortführung des Projektes: In den letzten Monaten sind die seit 1969 schwelenden Forderungen nach der Teilung von A.P. mit einem seperaten Bundesstaat Telangana wieder aufgeflammt. Auch die Zentralregierung soll sich das inzwischen vorstellen können. Die als A.P. verbleibende Südhälfte plus Ostküste (Rajamundhri, Vizag) allerdings nicht – zumal die Boom-Stadt Hyderabad dann zu Telangana gezählt würde. Tatsache: Wenn Telangana käme, wäre das Polavaram-Projekt geplatzt. Schon jetzt könnte alles daran scheitern, denn die Regierung nach dem verstorbenen CM ist seit ihrer Amtsübernahme mit allem anderen befasst, nur nicht mit dem River-Linking-Programm. So ging es um die Überschwemmung des Krishna, die Wahlen und nun um die Telangana-Diskussion.

Mr. Fayaz bestätigt meine Beobachtung, dass sich seit zwei Jahren im bedrohten Gebiet kaum etwas bewegt hat. Die Regierung hat keine neuen Musterdörfer gebaut und die alten zerfallen lassen, es wurden im betroffenen Gebiet keinerlei Maßnahmen zur Infrastruktur gemacht und selbst die Hilfsprogramme für Tribals wurden dort nicht durchgezogen. Man versucht, die Gegend auszutrocknen – bevor sie dann überschwemmt werden soll...

Allerdings sehe ich, dass an der Pipeline weitergebaut wird. Auch die Kanalbauten gehen weiter. Mein Flug von Rajahmundri nach Hyderabad führt mich entlang des südwestlichen Kanals bis zur Krishna, in die der Kanal mündet. Es gibt diverse Unterbrechungen des Kanals, man sieht jedoch, dass er zu ca. 3/4 schon nahezu fertig ist. Ein riesiges weißgraues Band zerschneidet die Landschaft, ein 140 m breiter Kanal, auf dem sogar Schiffe fahren sollen (siehe rechtes Foto). Ob er allerdings jemals durchgehend Wasser führt, bleibt fraglich. Mit dem Bau des Staudammes selbst wurde nach meiner Kenntnis noch nicht begonnen.

Die politische Auseinandersetzung um einen unabhängigen Telangana-Staat verläuft teilweise heftig. Die Fotos zeigen eine Demo von Adivasigruppen für Telangana in Bhadrachalam. Sollte der Staat kommen, wäre das Polavaram-Projekt wohl vom Tisch. Bleibt zu hoffen, dass sich, egal wie es ausgeht, jene Politiker durchsetzen, die jene Kompromißprogramme (siehe unten) durchsetzen möchten. Dann wäre der Bevölkerung mit Wasser gedient und gleichzeitig den Adivasis ihr Lebensraum gelassen.

24.10.2009 Großprojekt wird hinterfragt

Mehrere Zeitungen melden, dass eine Gruppe um den früheren Innenminister von A.P., alles Mitglieder der regierenden Congress-Partei, das Polavaram-Großstaudammprojekt jetzt hinterfragen. Die Politiker beziehen sich auf seit langem vorliegende Studien und befürworten ein Projekt, das nicht den Großstaudamm sondern 2 kleinere Staudämme und 7 Rückhaltemauern zur Wassergewinnung enthält. So könne man statt nur 75 insgesamt 350 TMC Wasser speichern und statt 350 MW nun 750 MW Strom erzeugen. Dörfer müssten keine evakuiert werden!!!
Es bleibt abzuwarten, ob der für Anfang November vorgesehene Vorstoß der zumeist pensionierten Politiker Erfolg hat. Zumindest könnte die Zentralregierung den Antrag auf einen Nationalstatus des Projektes entsprechend beantworten und so Einfluss auf das Projekt gewinnen. Es bleibt zu hoffen, dass der Druck aus den eigenen Reihen der Congress-Partei nun zunimmt und das Prestigeprojekt zu Gunsten eines vernüftigeren und menschenfreundlicheren Projektes aufgegeben wird.

Im Oktober hat Hermann Brünjes zusammen mit einer Gruppe das Gebiet bereist. Die Kanäle sind weiter im Bau, ebenso die Pipeline nach Satupally. Allerdings gibt es keine weiteren sichtbaren Aktivitäten bezüglich einer Umsiedlung. Die Siedlung bei Gullavai liegt seit 2 Jahren ungenutzt da und verfällt. Viele der Dorfbewohner haben das Projekt ausgeblendet und warten einfach ab.

Derweil regt sich weiter Widerstand politischer Opposition. So haben wir am 10.10. in Bhadrachalam eine als Kulturveranstaltung gestaltete Demonstration gegen den Damm erlebt. Etwa tausend Menschen nahmen daran Teil und viele Tribal-Gruppen führten ihre traditionellen Tänze und Kostüme vor (siehe Fotos).

09.09.2009 Chiefminister A.P. bei Hubschrauberabsturz getötet

Am Donnerstag, 3.9. ist der Ministerpräsident von Andhra Pradesh Mr. Y.S. Rajasekhara Reddy durch einen Absturz seines Hubschraubers über unwegsamem Gebiet zusammen mit vier anderen Insassen ums Leben gekommen. Infos hier. Der Staatschef, ein bekennender Christ, hat viel für die Entwicklung seines Landes getan - er war allerdings auch Motor für das Polavaram-Projekt. Wie dieses jetzt weitergeführt werden wird, bleibt abzuwarten. Zunächst werden alle Vorhaben weiter verfolgt. Nachfolger aus der Congress Partei ist zunächst Mr. Jannath Hussain.

Inzwischen versucht die Landesregierung A.P. nach wie vor, das Polavaramprojekt bei der Zentralregierung anzubinden. Opposition gibt es vor allem von Orissa, da dort ebenfalls Dörfer betroffen sind und dieser Staat gegen die Congress Partei opponiert.

In der letzten Woche wurden neue Bauunternehmen für den Weiterbau der Kanäle und den Baubeginn der Staumauer verpflichtet. Die bisherigen Unternehmen haben offenbar Fristen nicht eingehalten. Es wird außerdem vermeldet, dass die Kosten explodiert sind und die Finanzierung wackelt. All dies lässt beweifeln, dass die inzwischen auf 2014 angesetzte Fertigstellung des Projektes überhaupt je Realität wird.

20.07.2009 Widerstand gegen Vorhaben eines Nationalen Projektes

Ministerpräsident Y.S. Rajasekhara Reddy und die Polavaram-Betreiber, versuchen mit Macht, aus dem Staudammprojekt mit Verlinkung diverser Flüsse, ein gesamt-indisches Projekt zu machen. Sie haben dafür Anträge in Delhi gestellt, die durch die hervorragenden Wahlergebnisse der Congresspartei auch Aussicht auf Erfolg haben könnten. Gleichzeitig geht vor allem der Nachbarstaat Orissa gegen dieses Vorhaben vor. Der Chiefminister Naveen Patnaik hat einen Brief an den Primierminister geschrieben, in dem er sich gegen das Vorhaben stellt. Er fordert öffentliche Anhörungen, Abwarten über den Ausgang der diversen Gerichtsverhandlungen und Berücksichtigung der Interessen Orissas. In Orissa werden mindestens 11 Dörfer vernichtet und Tausende Stammesleute sind betroffen. Seit drei Monaten kündigt der Ministerpräsident von A.P. nun an, dass "in Kürze" ein nationales Projekt daraus wird. Bisher sind all seine Zeitangaben fehlgeschlagen - dennoch verfolgt er stringent sein Prestigeprojekt und hat kontinuierlich eine starke Präsenz in den Medien.
29.5.2009 Polavaram nach den Wahlen

Die Wahlen in Indien, auch im Bundesstaat Andhra Pradesh, sind mit deutlicher Mehrheit von der auch jetzt regierenden Congress-Partei gewonnen worden. Sofort hat der Ministerpräsident Satyanarayana Reddy und seine Partei mit Hauptsitz in Hyderabad ihre Interessen bei der Zentralregierung angemeldet. Einige Projekte, darunter auch das Polavaram-Projekt, sollen auf Wunsch von Ministerpräsident Satyanarayana Reddy von der Zentralregierung übernommen und mitgetragen werden. Sollte diese dem zustimmen, kommt zum Einen viel Geld nach Andhra Pradesh (was man zur Finanzierung des Dammprojektes unbedingt braucht!) und zum anderen werden alle noch fehlenden Genehmigungen leichter zu bekommen sein. Also eine schlechte Nachricht für Staudammgegner! Die Congress Partei von A.P. hat viel Einfluss in Delhi - es steht also durchaus zu befürchten, dass sie ihr Anliegen durch bekommt. Im Moment allerdings gibt es noch keine Beschlüsse der Zentralregierung.

25.1.2009 Stand bei Indienreise Brünjes Januar

Nachdem das Forest Dep. Auflagen an das Projekt gestellt hat, die kaum erfüllbar sind, flammt weiterer Protest auf. Vor allem die Nachbarstaaten Orissa und Chattisgath gehen gegen die A.P. Regierung an. Sie führen Prozesse im High Court und sind angeblich bereit, bis vor das Verfassungsgericht zu gehen. Allerdings muss man sehen, dass im April Wahlen sind - und in diesen beiden Bundesstaaten regiert nicht die Congress-Partei, sondern deren Opposition. Es geht also nicht nur um die Adivasis, sondern um knallharte Politik und das Ringen um Einfluss auf die Staatspolitik in Dehli.

Derweil wird an den Kanälen weitergebaut (siehe Fotos). Vor allem der beschiffbare Kanal mit einer Breite von bis zu 150 Metern ist ein Gigantisches Bauwerk mit Erdbewegungen unglaublichen Umfangs. Kleinere Kanäle führen zum Teil bereits Wasser aus anderen Quellen. Auch die Pipeline nach Satupalli wird weiter gebaut. Bei Kothuru entsteht ein Zwischenbassin. Dieses Projekt gehört zwar nicht unmittelbar zum Polavaram-Staudammprojekt, ist als Indira Sagar Lifting-Programm jedoch eng damit verbunden, da Wasser aus dem Fluss in ferne Gebiete gepumpt werden soll. Dies wird nur gehen, wenn genug Wasser da ist - eben durch den Stausee.

Weite Teile der Bevölkerung wissen nicht, was vorgeht. Für sie steht die Umsiedlung bereits fest, sie können sich jedoch nicht vorstellen, was das letztlich für sie und ihre Lebensgrundlagen bedeutet. Die Regierung hat jetzt Entschädigungen und die Aufnahme der Ansprüche dazu eingestellt. Eine Mustersiedlung liegt da, wie schon vor zwei Jahren. Nichts geschieht. In Zeitungen wird gar von einem "Drei-Dekaden-Projekt" gesprochen. Die NGOs, z.B. SNEHA (ARS), bemühen sich um Aufklärung. Es ist ihnen gelungen, viele Dokumente zur Sicherung von Grundstücken zu bekommen. Diese werden jetzt jedoch nicht mehr ausgestellt, da die Regierung dann zu entsprechenden Entschädigungen gezwungen wäre.

3.1.2009 Hoffnung der Gegner flammt auf...

Nachdem es über Monate kaum Neues gab, kommen jetzt aus unserer Sicht positive Informationen aus Indien. Die SNEHA, eine Organisation, die im Gebiet unserer Partnerkirche arbeitet, informiert ihre deutschen Partner über die neue Entwicklung. Hatte die Regierung von Andhra Pradesh zwischenzeitlich Erfolge zu verbuchen - es ging schon das Gerücht, dass entscheidende Gerichtsverfahren gewonnen seinen - so hat sie jetzt einen empfindlichen Rückschlag erlitten. Das von den Gerichten zur Auflage gemachte Gutachten der Naturschutzbehörde (Forest Department) liegt nun vor. Das Gutachten fordert vor Baubeginn des Dammes die Erfüllung von 29 Bedingungen. Vor allem die Bedingung Nr. 26 und 29 führen dazu, dass führende Politiker in Indien und Sachverständige von einer "indirekten Ablehnung" sprechen.

Das Gutachten fordert, dass in den Staaten Chattisgath und Orissa weder Wald noch Stammesdörfer vom Stausee betroffen sein dürfen. Obwohl die Landesregierungen bereits im Gespräch über Entschädigungen usw. waren, verbietet jetzt das Gutachten die Vernichtung der Reccourcen und Adivasi-Siedlungen in den Nachbarstaaten. Diese Einschränkung bedeutet, dass der Damm nicht mehr in seiner geplanten Höhe von 150 Metern gebaut werden kann, sondern maximal nur 135 Meter hoch werden darf. Mit dieser Reduktion kann das Ziel der Bewässerung nicht erreicht werden, da die teilweise bereits gebauten Kanäle inclusive der Pipeline nicht genug Wasser bekommen. Experten lassen sich im Moment darüber aus, ob man die Nachbarstaaten durch Dämme und Wälle schützen kann. Dies wird jedoch sowohl technisch als auch finanziell als sehr fragwürdig angesehen.

Einen englischen Text über die neue Entwicklung können Sie hier finden. Es stehen noch zwei andere von den Gerichten geforderte Gutachten aus: Eines zur Finanzierung und eines über die technischen Details des Dammes. Beide Gutachten könnten ebenfalls das Projekt in dieser Größe gefährden - was wiederum nicht nur bedeutet, dass der Lebensraum der Adivasis besser geschützt wird, sondern auch, dass Milliarden an öffentlichen Geldern bereits verschwendet wurden.

Ende Januar kann ich von weiteren Recherchen vor Ort berichten und schildern, wie die Bevölkerung zur Zeit mit bzw. gegen das Projekt lebt.

29.09.2008 nichts wirklich Neues!

Seit Monaten gibt es kaum neue Entwicklungen. Heute berichtet B Satyanarayana Reddy im Internet, dass im Khammam Distrikt 205 Dörfer umgesiedelt werden sollen, das sind 25.516 Familien. Damit ist die Region in der die GSELC arbeitet, am stärksten betroffen. Moniert wird, dass die Regierung statt der versprochenen 32.000 acres erst 5.000 acres Land für die Umsiedlung vorhält und von den benötigten 18.000 Häusern nur 1.000 errichtet hat. Nach 2005 ist nichts weiter für die Umsiedlung geschehen.

Der Staudamm ist weiterhin nicht im Bau. Allerdings werden die Kanäle weiter voran getrieben. Außerdem wird weiterhin eine fast 100 km lange riesige Wasserleitung verlegt.

Parallel geht der Protest der Betroffenen weiter, wenn auch nicht mehr so engagiert wie zu Beginn. Vor allem die Maoistischen Gruppen werden immer militanter.

02.02.2008 grundsätzliche Anfragen contra politische Statements

Bei seinem Besuch im Khammam Dt. und Veranstaltungen am 28.1. in Shattupalli, beschwört der Chief Minister Y S Rajasekhara Reddi erneut, dass das Projekt fertig gestellt wird. Er gesteht eine Verzögerung von einem Jahr durch heftigen Widerstand zu und führt dies auf das demokratische System Indiens zurück. Indien sei eben nicht China, sondern ein demokratischer Rechtsstaat mit freien Medien. 95% der Arbeit sei bereits aufgenommen worden, so dass mit einer Fertigstellung um 2011 zu rechnen sei, sagte er.

Kurz vorher, am 22.1. wird publik, dass das Projekt jetzt auch aus technischen Gründen sehr fragwürdig ist. Beiliegender Artikel enthält außerdem eine ganze Reihe interessanter Infos zum Gesamtvorhaben. Siehe Artikel.

31.01.2008 Recherche vor Ort

Von meinem Besuch im Januar habe ich nur wenige neue Infos mitgebracht, die ich hier in Kürze nenne:

1. Die Regierung hat vor Gericht erreicht, dass die Umweltbehörde, National Environmental Appellate Authority (NEAA) als nicht zuständig für den Stopp des Projektes erklärt wurde. So bleibt alles beim Alten: Der Damm selbst darf noch nicht gebaut weerden, die Kanäle usw. werden jedoch mit aller Kraft gebaut. (siehe Foto)

2. Es wird auch eine 90 km lange Pipeline von der Godavari nach Sathupally gebaut. Die riesigen, ca.3 m dicken Rohre sollen ein großes Gebiet mit Wasser versorgen. Der Pipeline fallen auch viele z.T. alte Bäume zum Opfer, da sie auch durch Dschungel führt. (siehe Fotos)

3. Die SNEHA hat den Tribals geholfen, für über 300 ha Land nachträglich Besitzurkunden zu bekommen.

4. Der Widerstand verebbt immer mehr. Zuerst war er groß, dann floss Geld der Regierung an Nicht-Tribals und nun wollen alle mehr Geld. Selbst viele Tribals wollen statt des "Land für Land" Programmes lieber Geld nehmen. Die Kommitees der ARS arbeiten kaum noch, vonaktiven NGOs können die Dorfbewohner kaum berichten.

5. Weiterhin verstreut die Regierung verschiedene Infos. Eigentlich war z.B. "Land für Land" für Tribal Bauern zugesagt. Nun schränkt man dies auf 5,6 oder 10 acre Fläche ein. Was darüber liegt, soll ausgezahlt werden. Die Infos an die Bevölkerung sind ob bewußt oder unbewusst widersprüchlich und knapp. Verunsicherung und Angst vor der Zukunft sind sehr groß.

02.01.2008 Grundsätzliche Anfragen werden lauter

Täglich gibt es neue, zumeist kritische Meldungen zum Projekt in indischen Pressemitteilungen. Die Regierung von A.P. hat neue, erweiterte Pläne für das Kanalsystem und die Überläufe vorgelegt. Nun werden von diversen Seiten auch neue Gutachten eingefordert, da die Grundlagen für die Berechnungen befragt werden (z.B. durch Prof. Shivaji Rao vom Umweltzentrum der Uni Gitam). So wird jetzt bezweifelt, dass der Damm wirklich sicher ist. Bei einem Dammbruch könnten 46 Mill. Menschen in Gefahr kommen. Wenn man die Klimaerwärmung berücksichtigt, was bisher offenbar nirgendwo geschehen ist, wird andererseits viel weniger Wasser anfallen und nur sehr wenige Monate kann ausreichend Strom produziert werden. Die erwarteten 960 Megawatt würden mit ziemlicher Sicherheit nicht erreicht. Auch die von der Regierung angegebene Zahl von 276 Dörfern, die dem Stausee weichen müssen, wird als "untertrieben" bezeichnet.

Die in Deutschland über die Adivasi-Kommission mit den in Indien arbeitenden Organisationen (NGOs) bekommen aus Indien hoffnungsvolle Nachricht ihrer Partnerorganisationen. M.E. ist schon die erneute Hoffnung, dass das Projekt doch scheitern könnte, ein großer Gewinn für den realen Widerstand und den Kampf um faire Entschädigungen der Betroffenen in der Region.

30.12.2007 Stopp aller Maßnahmen zur Landnahme

Newindpress berichtet, dass die Regierung alle Maßnahmen zur Landnahme im Khammam Dt. eingestellt hat. Es wurden inzwischen Rs 50-crore (9 Mill. €) an Farmer ausgezahlt und entsprechend Land für das Projekt gesichert. Diese Entschädigungen haben vor allem Nontribals bekommen, während die Tribalführer (Stammeleute/Garijans) zunächst harten Widerstand geleistet haben. Letzterer war zuletzt durch die Verlockungen des ausgezahlten Geldes allerdings auch bei den Tribals etwas zurückgegangen. 12 Dörfer wurden bisher mit solchen Entschädigungen bedacht und viele weitere, wo die Zählungen abgeschlossen sind, sollten nun folgen. Nun allerdings ist der Widerstand erneut aufgeflammt, da es wieder Hoffnung gibt, dass das Projekt zumindest in den Ausmaßen verhindert werden kann.

28.12.2007 Widerstand Thema der Medien

In den Tagen nach Weihnachten sind die Zeitungen in Indien voll von Meldungen zum Polavaram-Projekt. Der Widerstand von Samata und die Beschlüsse der NEAA machen viel Wirbel. Die Opposition wirft der Regierung vor, die Menschen bewusst getäuscht zu haben. Selbst aus den Reihen der Befürworter gibt es kritische Stimmen. Der Verdacht, dass die Regierung das Projekt garnicht durchführen will, sondern nur aus Imagegründen aufgebauscht hat, wird geäußert. Es sei Korruption im Spiel: Erst 10% des Projektes sind getan (vor allem einige Kanäle), jedoch schon 1.100 crore INR ( 200 Mill.€) ausgegeben. Das Meiste sei als Bestechungsgeld investiert worden, sagt die Opposition. Die Regierung hält dagegen und verspricht Nachbesserungen, will das Projekt noch während dieser Wahlperiode (bis 2009) beginnen und dann schnell beenden.

Fazit: Die Regierung gerät mehr und mehr unter Druck, nun auch durch die Medien bis hin zu den großen Zeitungen.

25.12.2007 erneut Widersstand vor Gericht

Diverse indische Zeitungen und Internetportals berichten, dass es erneut Widersprüche und gerichtliche Eingaben gegen das Projekt gibt. Die NGO Samata hat wissenschaftliche Gutachten eingereicht, wonach das Projekt die Umweltfolgen nicht ausreichend berücksichtigt und recherchiert hat, wie es das Umweltschutzgesetzt von 1986 vorschreibt. Die Umweltbehörde, National Environmental Appellate Authority (NEAA) ist dem gefolgt und hat detaillierte Reports gefordert und ihre alten Gutachten zurückgezogen.

Außerdem wird massiv moniert, dass die Bevölkerung nicht angehört wurde, wie es ebenfalls gesetzlich vorgeschrieben ist. Dies ist wohl in Bhadrachalam geschehen, allerdings nur vor einem kleinen, ausgewählten Forum, jedoch nicht in den auch betroffenen Nachbarstaaten Orissa und Chhattisgarh. Somit ist die Regierung von A.P. erneut aufgefordert, die Unterlagen beizubringen. Der Widerstand vor allem in Orissa besteht nach wie vor, ebenso der offizielle Baustop am Damm.

So ganz nebenbei wird erwähnt, dass das Projekt nach Planung bereits um 30% verteuert ist.

20.07.2007 aktuelle Recherchen und Fotos

„the gap“

Der englische Begriff „gap“ bezeichnet einen Abstand. Auch für „Kluft“ steht dieses Wort. Der befürchtete Stausee wird eine Kluft zwischen Nord und Süd und Ost und West bedeuten und schon räumlich viele Kilometer Abstand zwischen die Menschen bringen. Und schon jetzt reißt er Gräben auf zwischen den Bevölkerungsgruppen, trennt, zerteilt.

Immer wieder tauchte dieser Begriff während meines dreiwöchentlichen Besuches (Juni/Juli 2007) im Stammesgebiet entlang der Godavari auf. The gap – räumlich, gedanklich, politisch: Trennung, Widersprüchliches, nicht vereinbare Positionen, völlig gegensätzliche Deutungen und Zeitvorstellungen. Hier ein paar Beispiele für solche „gaps“:

Koyda gibt auf

Koyda und die Nachbardörfer (mit den schönen Namen Pushugundhi, Tallagundhi, Tekupalli, Kakisnur, Mordella, Perentapalli) haben der Regierung die Auflösung und Umsiedelung zugesagt und unterschrieben. Vor allem ein Großgrundbesitzer im Ort, größter Arbeitgeber für die als Kulis arbeitenden Familien, hat Druck auf die Dorfbewohner ausgeübt. Er versucht, seine Zukunft zu sichern und will bei der Regierung möglichst hohe Entschädigungen herausholen. Örtliche Beamte spielen mit und erhöhen den Druck: „Wenn Ihr nicht geht, wird der Strom abgeschaltet, Ihr bekommt bei Überschwemmungen keine Hilfe mehr, und Arbeit habt ihr auch keine mehr!“

Versprochen wird: „Wenn Ihr Euch in die Gegend von Ashwaro Peta umsiedeln lasst, wird für Euch gesorgt. Das Land soll bereits vermessen sein und für die Hofstellen sind Parzellen ausgewiesen. Die neue Siedlung wird sehr groß werden, ihr habt alles, was ihr braucht! Schule, Wasser, Tempel... Ihr bekommt ein neues Haus und Land. Die Tribals im Tausch Land für Land, Haus für Haus. Die Nontribals bekommen Geld, statt der angekündigten 40.000 Rs. sogar 50.000 Rs. je Haus. Wenn ihr keinen Landbesitz habt, bekommt ihr statt für 1 Jahr nun für 2 Jahre den Kulilohn ausgezahlt, also 60 Rs. je Tag! Und beim Umzug wird Euch von der Regierung geholfen.“

Nicht verraten wird, dass die neuen Siedlungen riesig werden sollen, mit wahrscheinlich über 20.000 Menschen. Aus sieben Orten wird Einer, für Adivasis das Ende ihrer Wohnkultur. Nicht gesagt wird, dass man maximal 5 acre Land tauschen kann und auch nur dann, wenn man Besitzurkunden hat. Nicht gesagt wird, dass die Hofstellen viel zu klein sind für Vieh und Extrahütte. Nicht gesagt wird, dass Arbeit nicht garantiert werden kann und wo sich nun wenige Kulis um Arbeit bewerben, werden es dann sehr, sehr viele sein. Nicht gesagt wird, dass die meisten der Nebeneinkommen wie Feuerholz, Honig und Früchte des Waldes, Weideraum für Vieh usw. wegfallen werden. Nicht gesagt wird, dass das Land im Moment noch Wald- und Buschland ist und weder kultiviert noch erschlossen. Nicht gesagt wird, dass viele ihr Geld, wenn sie es brauchen, nicht mehr besitzen werden...

Rudramakota schafft an

Rudramakota hat bereits (wie auch Sinjaram) im Januar der Umsiedlung zugestimmt. Die dort lebenden Nontribels wollten die Chance ergreifen, das immer wieder durch Überschwemmungen der Godavari betroffene Gebiet zu verlassen. Die Familien haben Geld bekommen, viel Geld. Das Geld für ihr Land ist bereits ausgezahlt worden. Das Land wurde großteils mit Eukalyptus aufgeforstet. Das Geld für die Häuser wurde nicht ausgezahlt, sondern auf einem Konto gutgeschrieben, das erst bei Kauf oder Neubau in Anspruch genommen werden kann. Immerhin!

Einer der kirchlichen Mitarbeiter steht für viele: Er hat soviel Geld bekommen, dass er jedem seiner drei Söhne einen Teil geben konnte, viele zigtausende Rupien. Der eine hat sich einen Farbfernseher, der andere ein Motorrad gekauft. TV für Land! So war das nicht gemeint – und dennoch haben fast alle Familien einen großen Teil der Entschädigung bereits wieder ausgegeben. Wenn es zur Umsiedlung kommt, werden sie keine Möglichkeit haben, neues Land zu erwerben. Schon jetzt ist das beinahe unmöglich. Die Landpreise sind extrem gestiegen. Dort, wo frei verkäufliches Land zur Verfügung steht, werden nur die ohnehin Reichen zu den Gewinnern gehören. Ehemalige Landbesitzer unter den Nontribels werden sich als Kulis durchschlagen müssen.

Indiramma irritiert

Indiramma ist nun nicht ein Ort, sondern ein Programm, das wunderbar die „gaps“ der Informationen und politischen Botschaften markiert. Oder es ist einfach nur ein „Treppenwitz der Weltgeschichte“. Die Regierung von Andhra Pradesh hat durch ihr Ministerium für Wohnungsbau ein Hausprogramm für bedürftige Dalits und Adivasis aufgelegt (Indhiramma = Integrated Novel Development in Rural and Model Municipal Aereas). 4 Mill. Häuser sollen gebaut werden und 1,2 Mill. davon sollen bereits fertig sein. Die Familien bekommen 35.000 Rs. Zuschuss beim Hausbau. Der Chiefminister Rajasekhara Reddy, der auch den Polavaram-Damm vorantreibt, lobt dieses Wohnungsprogramm ausdrücklich und führt es auf seiner Internetseite als „seine“ Sache auf.

Gleichzeitig, wirklich gleichzeitig, wird denselben Familien vermittelt, dass sie ihre Häuser wegen des Stausees verlassen müssen. Ich habe zwei der Neubauten eingeweiht. Bei einem der Häuser waren am Vormittag Regierungsbeauftragte und haben es zusammen mit der Familie fotografiert, als Beleg für die Entschädigung – und am Nachmittag war ich da und habe das Band am Eingang zerschnitten, damit die Leute die Förderung des Staates genießen können. „Wir bauen Euch ein Haus!“ Und „Ihr müsst Euer Haus verlassen!“

Doppelbotschaften, widersprüchliche Aussagen und vor allem Gerüchte verwirren die Bevölkerung, zerstören die Einheit in Dörfern und Familien und schüren Angst und Resignation. Es ist zu vermuten, dass die Regierung genau dies beabsichtigt.

Viele verlieren die Hoffnung...

Waren bei meinem Besuch im Januar noch die meisten der Meinung, dass Widerstand gegen Polavaram angesagt ist, berichten jetzt mehr als zwei Drittel der betroffenen Pastoren, dass die Leute in ihren Dörfern klein beigeben und bereit sind, zu gehen. Das betrifft nicht nur die mit Nontribals bewohnten Dörfer, sondern auch jene, die von Tribals bewohnt werden. Immer wieder heißt es: „Es hat ja doch keinen Zweck...“ Und die Angst geht um, am Ende ohne Entschädigung dazustehen.

Im Moment führt die Regierung neue Untersuchungen über die Bevölkerung durch, offenbar, um die Entschädigungen nochmals zu fixieren. In zwei getrennten Befragungen ziehen Beauftragte von Dorf zu Dorf, befragen die Leute und fotografieren Familien. In mehreren Dörfern treffe ich auf diese „Polavaram survey“ und mehrfach verlassen Mitarbeiter unsere Treffen, damit sie ja zuhause sind, wenn der Besitz aufgenommen wird. Manche halten diese Befragungen bereits für die Unterschriftenaktion zur Abgabe des Besitzes. Unterschrieben wird jedoch nur, dass man befragt wurde. Viele rechnen damit, dass bald das Wasser kommt und sie schnell weg müssen. In der Zeitung war von einer neuen Technik die Rede, mit der man den Damm in einem halben Jahr errichten kann. Die Leute glauben solchen Unsinn und staunen über Indiens technischen Fortschritt. Wo immer er Gelegenheit hat, verkündet der Chief Minister, dass es bald weitergeht mit dem Bau. Viele örtliche Regierungsvertreter verbreiten Unsicherheit. Das Ergebnis: Immer größere Teile der vom Stausee betroffenen Bevölkerung geraten in Panik und Angst.

... und doch noch ist nichts verloren!

Anders die vor Ort arbeitenden NGOs (Nicht Regierungs Organisationen). In den Dörfern sind Komitees gebildet worden (ARS). Diverse Aktionen des Widerstandes haben nach Aussage der SNEHA bereits Früchte gezeigt. Im August wird es eine große Demo mit Hungerstreik in Hyderabad geben. Auch mir begegnen mehrmals mit Demonstranten besetzte LKWs, auf dem Weg zu einer Kundgebung. Auch die Maoisten und die kommunistische Partei unterstützen den Widerstand, allerdings mit sehr parteipolitischen Absichten. Der Widerstand geht bis hin zum Terror: So wurde ein Gebäude einer Mustersiedlung nahe Gullavai von Naxaliten gesprengt.

Die Tribals erkennen nach Aussage des SNEHA-Vertreters, immer mehr, dass sie ihre gesamte Kultur verlieren, wenn sie umgesiedelt werden. Deshalb kämpfen sie gegen den Staudamm. Und das mit Erfolg.

Die Gerichte haben den immerhin seit April 2006 bestehenden Baustopp nicht zurückgezogen. Sie fordern die Einverständniserklärung der Bevölkerung. Und dazu, so beurteilt das SNEHA Projektleiter Srinavas, wird es nicht kommen. Aus seiner Sicht ist der Kampf deshalb keinesfalls verloren, zumal auch noch wichtige Gutachten ausstehen. Die gegenwärtigen Befragungen scheinen damit im Zusammenhang zu stehen.

... was nun?

Die Kluft zwischen der Sicht der Betroffenen und der Ansicht der NGOs ist groß. Der Großteil der Bevölkerung sieht seine Sache mehr und mehr verloren, die NGOs betonen die Erfolge des Widerstandes und erkennen hoffnungsvolle Zeichen. Was stimmt? Hoffen wir, dass die Wahrheit nicht nur in der Mitte liegt. Ich neige dazu, der NGO-Einschätzung zu glauben. Der Bevölkerung mangelt es an Information. Man versucht, sie zu manipulieren und Panik zu schüren. Es geht um viel Land und noch mehr Geld! Bei den NGOs laufen die Infos zusammen, man weiß um die Zusammenhänge auf politischer Ebene, man kennt die Rechtslage. Genau besehen, gibt die Regierung selbst Hinweise auf zumindest eine lange Wartezeit. Die Eukalyptusplantagen (3 Ernten erwartet man, rechnet also mit 10-12 Jahren), das Indiramma-Programm – manches spricht dafür, dass die Regierung selbst in langen Zeiträumen rechnet. Sollte die Congress Partei nächstes Jahr abgewählt werden, wäre das sicher das Ende des Projektes. Damit jedoch rechnet kaum jemand. So muss man sich auf einen langen Weg gefasst machen, und dessen Ende ist noch keineswegs absehbar. Auch wenn trotz gerichtlichem Baustopp an den Kanälen weitergebaut wird (ich habe Bau-Aktivitäten am nördlichen Kanal gesehen), ist der Optimismus der SNEHA möglicherweise berechtigt. Allerdings: Es wird darum gehen, die Bevölkerung intensiver zu informieren. Sollte das nicht gelingen, wird die Resignation immer mehr um sich greifen und die Vertreibung somit enorm erleichtert.

The Gap. Der Abstand. Durch die erneute Begegnung von Kirchenvertretern und SNEHA kommt es hoffentlich zu einer engeren Zusammenarbeit unserer Partnerkirche mit den NGOs. So könnten die Informationen besser in die Gemeinden kommen. Was immer Abstände und Klüfte überwindet, verbessert die Lage der Betroffenen.

11.05.2007 Meeting im Bundestag, Infos zum Widerstand, neues Waldgesetz Indiens

Im Rahmen des Besuches von Präsidentin Ester Rani und Pastor Philip empfing der Grünen Abgeordnete Thilo Hoppe (3. von links) eine kleine Delegation des FMD im Bundestag. Herr Hoppe ist gleichzeitig auch Vorsitzender des Ausschusses für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Er hat zugesagt, entsprechende Anfragen wegen des Polavaram-Projektes zu stellen. Auch Regine Richter von Urgewald (3.von rechts) war bei diesem informellen Treffen zugegen und unterstützt die Recherche nach Geldgebern und beteiligten Firmen. Bisher wurden jedoch letztere noch nicht ausgemacht und so konnten keine konkreten und kritischen Fragen an Beteiligte gestellt werden.

Im Übrigen hat sich nichts wesentliches verändert: Der Ministerpräsident von A.P. beteuert ständig, dass der Bau bald weitergeht und man keinen Schritt zurück weicht. Der Protest in Indien geht weiter. Die Oppositionsparteien nutzen das Thema um sich zu profilieren. Die meisten bestehen auf einer Verringerung der Dammhöhe. Die meisten NGOs zusammen mit den Tribals dagegen kämpfen grundsätzlich gegen das Projekt. Da auch Maoisten und Naxaliten prinzipiell gegen das Projekt sind, werden Widerständler schnell kriminalisiert.

Auch die TRS (Telangana Rashtra Samiti), eine speziell in der betroffenden Gegend operierende Partei, hat sich klar auf die Seite der Widerständler gestellt und vor dem Verfassungsgericht gegen die Regierung geklagt. Die Partei besteht darauf, dass zur Zeit nur Büro- und Papier-Arbeit im Zusammenhang mit dem Projekt zugelassen ist und die Behörden gegen jede praktische Arbeit am Staudamm vorgeht, da diese z.Zt. gerichtlich gestoppt ist. Damit die Bevölkerung unterrichtet ist, plant die TRS in 450 Dörfern des Khammam Distriktes eine Aufklärungskampagne.

Das TDF (Telangana Development Forum), ein Zusammenschluss zum Schutz der Stammesgebiete, hat einen wissenschaftlichen Alternativplan zum Polavaram-Projekt vorgelegt und will ihn in Kürze der A.P. Regierung präsentieren. Dieser Plan sieht ein ähnliches Konzept vor, wie es am Mississippi umgesetzt wurde. Damit wird der Godavai ca. 200 km als natürliches Wasserreservoir genutzt. Es können so angeblich 3.000 MW Energie erzeugt werden ohne dass "ein einziges Dorf weichen muss".

Die Adivasi-Kommission hat einen interessanten Rundbrief zur Auswirkung des neuen Waldgesetztes in Indien herausgegeben. Dieses Gesetz betrifft auch viele Mitglieder der Kirche unmittelbar. Ob der Schutz der Adivasis dadurch allerdings besser durchgesetzt werden kann, ist fragwürdig. Erschütternd: Der Artikel belegt, dass die Vertreibung der Adivasis keineswegs beendet ist, sondern wie in den sechziger Jahren begonnen immer weiter geht. Das Polavaram-Projekt ist nur ein Beispiel von Vielen!

29.01.2007 Fünf durch Schüsse Verletzte bei Demo in Bhadrachalam

Bei einer von der CPI(M), der Kommunistischen Partei, organisierten Demonastration in Bhadrachalam ist die Polizei gemäß Vorwürfen der Veranstalter, überaus gewaltsam gegen friedliche Demonstranten vorgegangen. Es wurde scharf geschossen und 5 Demonstranten wurden zum Teil schwer verletzt. Die Polizei begründet das Vorgehen mit dem Schutz der Polizisten gegen Steinewerfer. In Dehli wurde eine Untersuchung beantragt. Der Vorfall hat viele grundsätzliche Einsprüche in der Zentralregierung Dehli zur Folge gehabt.

Die Pressemeldungen über den Eklat thematisierten Sinn und Unsinn des Polavaram-Projektes. Hier zwei Zitate , die die Stimmung und die Positionen gegen die Regierung A.P. wiedergibt, aber auch zeigen, wie entschlossen die Regierung das Projekt durchsetzten will:

1. (4 Feb, 2007 0218hrs ISTTIMES NEWS NETWORK) "Come what may, the state government would go ahead with the Polavaram project. Some political parties are unnecessarily making it an issue," the chief minister (von A.P., Mr.Y S Rajasekhara Reddy) said in series of meetings in West Godavari on Saturday. This, in turn, has CPI-M state secretary BV Raghavulu livid. "The chief minister's insistence on going ahead with the Polavaram project will have far reaching repercussions on the UPA coalition," Raghavulu told TOI.

The state CPI-M leader wondered how the government would go ahead with the project when many cases were pending in the state High Court, Orissa High Court as well as the Supreme Court. "It is not going to be easy. If the chief minister thinks he can override the courts, laws and the Constitution, it will be highly irresponsible behaviour on his part,"Raghavulu said. In fact, court cases and the CPM opposition apart, the Central Electricity Authority (CEA) too has raised serious objections to the state government plans over Polavaram.

2. Eine ähnliche Äußering des Chief Ministerst in Vijiavada (Qelle THE HINDU 11.2.07): Dr. Reddy said several political parties were creating problems in the way of Polavaram project but his Government was determined to complete it "with mercy of God and with your blessing. We will begin work on Polavaram project. We will not go back under any circumstances."

Zu Deutsch: Dr. Reddy sagte, dass einige politische Parteieln Probleme wegen des Polavaram-Projektes machen, seine Regierung sich jedoch darauf festgelegt hat, es zu beenden: "Durch Gottes Gnade und Eurem Segen werden wir die Arbeit am Projekt beginnen. Wir werden unter gar keinen Umständen davon zurücktreten!"

Januar 2007 Recherche vor Ort

Zusammen mit meinem Sohn Jürgen habe ich in 15 der von dem Staudamm betroffenen Dörfer Interviews mit Betroffenen gemacht und durch Anschauung einen noch besseren Eindruck von den Folgen des Polavaram-Projektes bekommen. Wir haben mit NROs (Nicht Regierungs-Organisationen) Kontakt aufgenommen und uns über deren Aktivitäten informiert. Und wir haben im Gespräch mit den kirchlichen Partnern über eine Strategie für die Zukunft nachgedacht. Der daraus entstandene Bericht ist für jene, die an Details interessiert sind, sicher interessant. Hier der Link zur Recherche.

05.11.06 Ein Satelitenfoto schreckt auf: 369 Dörfer betroffen?

Heute bekommen wir aus Indien die Nachricht, die bereits im Zusammenhang mit der "chinesischen Mauer" erwähnt wurde: Wenn man ein am 7.August gemachtes Satelitenfoto auswertet, werden nicht 276 sondern sogar 369 Dörfer vom Stausee überflutet. Beiliegender Artikel ermöglicht weitere Infos, ebenfalls das Satelitenfoto in der regionalen Zeitung "Enaadu" vom 25.10.06

04.11.06 Polavaram in den Medien

Auch in den indischen Medien formiert sich Widerstand gegen das Projekt. Die Medien in Indien, zumindest die überregionalen Zeitungen, sind kritisch und unabhängig. Es lohnt sich z.B., die beiden Artikel der unabhängigen Jornalistin, Frau R.Uma Maheswari, zu lesen. Erst jetzt habe ich sie im Internet wahrgenommen - sie spiegeln jedoch gut auch andere kritische Veröffentlichungen in indischen Medien.

Artikel (engl.) der freien Jornalistin R.Uma Maheswari (Hyderabad) 1. Eine schlimme Geschichte wiederholt sich 2. Weniger als eine halbe Stimme - Gender Aspekt nicht im Blick

Das Problem: Offensichtlich ist das Anliegen noch immer nicht von der indischen Öffentlichkeit aufgenommen worden und hat nicht dazu geführt, dass sich breite Bevölkerungsschichten mit den Betroffenen solidarisieren. M.E. verhindern mehrere grundlegende Einstellungen solchen Widerstand. Zum Einen glauben viele an den Fortschritt und dass dieser nur und vor allem durch derartige Großprojekte voran getrieben wird. Dabei müssen dann eben auch Opfer gebracht werden. Zum anderen werden die Adivasis nach wie vor als Menschen zweiter Klasse angesehen, da sie nicht Teil der Hindukasten Hierarchie sind. Und da im Wesentliches vorherbestimmt ist, was geschieht, kann man es ja sowieso nicht ändern. Und drittens verstehen es die Vertreter des Projektes sehr gut, dies zu vertreten, zumal sie offenbar selbst davon überzeugt sind. Sie argumentieren mit dem erforderlichen Wirtschaftswachstum um in einer globalisierten Welt zu bestehen und mit den nötigen Energie- und Nahrungserzeugung um von Drittländern unabhängig zu werden und die wachsende Bevölkerung versorgen zu können. Nicht gesagt wird dabei, dass Indien einen Überschuss an Reis produziert, 20-40 Prozent an Getreide aber wegen schlechter Lagerung verdirbt, die Großprojekte inzwischen alle weit mehr als das Doppelte oder gar Fünffache der Kalkulation gekostet haben, die ökologischen Auswirkungen überaus extrem sind (z.B. sterben nicht nur einzelne Fische, Tiere und Bäume - es sterben ganze Arten aus), die Vertriebenen bisher noch nie die versprochene Entschädigung erhalten haben und diese ohnehin nicht ein Bruchteil des Bedarfes ausmacht um neu anzufangen, in diesem Fall eine ganze Stammeskultur vernichtet wird, dass man mit ähnlichen Summen viele Alternativprogramme auflegen könnte und größeren Nutzen hätte, dass man Prestige und Ansehen will ect.

Auch in der internationalen Presse scheint das Thema leider noch wenig Raum zu bekommen. Nur in Deutschland hat sich bisher ein Aktionsbündnis gefunden. Dazu gehören die Adivasi-Koordination, die Aktionsgemeinschaft Solidarische Welt (ASW), die Andheri-Hilfe Bonn e.V. und FIAN Deutschland. Auch die Gesellschaft für Bedrohte Völker engagiert sich. In Österreich gibt es einige Meldungen im Internet - ansonsten noch Schweigen der internationalen Stimmen, jedenfalls soweit ich das mittels Internetrecherche wahrnehmen kann.

28.10.06 "Chinesische Mauer" als Schutz für Dörfer ? Geld von der Weltbank!

Der Baustopp ist noch immer nicht aufgehoben. Es fehlen nach wie vor einige vom Gericht verlangte Untersuchungen. Ungeachtet dessen geht die Werbung für das Projekt weiter. Wo immer sich Gelegenheit bietet, werben Chiefminister und seine Parteifreunde für den Damm. Diskutiert wird dabei wiederum die Höhe, denn offenbar war Bhadrachalam durch eine erneute Jahrhundertflut bedroht, als es im August/Sep. zu den Überschwemmungen kam. Es wird behauptet, solche Flut (wie 1986) gebe es nur alle 500 Jahre (manche behaupten sogar, nur alle 10.000 Jahre!). Komisch, dass wir sowas schon zum zweiten Mal in 25 Jahren erlebt haben!
Seit gestern ist ein ganz neuer Vorschlag in der Diskussion, aufgebracht von Irrigation Minister P. Lakshmaiah: Man könnte eine beinahe 44 km lange Mauer baunen (für ca.61,4 Mill.€), etwa in dem Stil wie die Chinesische Mauer. Damit könnte man vor allem in der Gegend um Chintoor (am Sabari-Fluss) sehr viele Dörfer schützen. Auch dementiert der Minister Informationen wonach Satelitenaufnahmen während der Überschwemmung (7.August) beweisen, dass nicht 276 Dörfer, sondern sogar 359 Dörfer von dem Stausee betroffen wären. Allerdings weist eine andere Meldung aus, dass es bei denen von der Mauer (dort: Damm) zu schützenden Dörfer um jene 47 geht, die zwar von der Überschwemmung betroffen waren, jedoch vom Stausee nicht betroffen sein sollen. Also bleibt der Verdacht, dass mit 275 Dörfern doch erheblich zu wenig als betroffen angegeben wurden, sondern man nach der letzten Überschwemmung mindestens von 322 Dörfern ausgehen muss.

Die Weltbank hat seit langem eine Kreditzusage für Wasser- und Energieprojekte in Andhra Pradesh gegeben. Die Höhe der Kreditsumme beläuft sich auf Rs 3,200 crore, das sind ca. 640 Mill.€. Zwar wurden über zwanzig Projekte beantragt, ein großer Teil des Geldes wird jedoch in das Polavaram-Projekt fließen. Die Möglichkeiten, die Weltbank auf die Vertreibung der Adivasis aufmerksam zu machen wird in verschiedenen Gruppen bedacht. Falls auch Sie dazu Möglichkeiten haben, nutzen Sie bitte Ihre Kontakte.

27.10.06 Neunzig Dörfer der GSELC betroffen

Eine Studie der UELCI, von der wir an anderer Stelle noch berichten werden, nennt alle 343 Dörfer, in denen die GSELC arbeitet. Im Vergleich mit den Namen aus der offiziellen Liste der durch das Polavaram-Projekt betroffenen Dörfer ergibt sich, dass in 90 (von 276) der durch den Stausee bedrohten Dörfer christliche Familien wohnen und die Kirche Gemeinden oder Familienzentren hat. Ungefähr 3.500 Erwachsene Gemeindeglieder wären betroffen (plus Kinder). Damit sind von den 86 Gemeinden insgesamt 30 Gemeinden vom Polavaram Projekt betroffen. Kein Wunder, dass die Gemeindeglieder was die Zukunft angeht, überaus irritiert sind. Zwar ist die Zahl nicht ganz so hoch wie befürchtet, dennoch ist dieses Problem eines der dringensten und die Partner suchen nach Perspektiven für ihr Handeln. Auch Kinderheime der GSELC sind betroffen: Koyda (Tekupalli), Yedavalli sicher, weil sie direkt am Fluss liegen; Arukuru weil die Besitzer der Häuser diese wieder beanspruchen; und evtl. G.K.Padu und Chakkaripalli - was allerdings noch unklar ist.

28.08.06 Polavaram und die Überschwemmung

In einem Artikel im Internet bechreibt die freie Jornalistin R. UMA MAHESHWARI die Situation eines Dorfes in der Region. In dem englischen Artikel werden die Situation bei der Überschwemmung und das Polavaram-Projekt miteinander verbunden. Da der Artikel sehr plastisch die Situation vieler Stammesdörfer beschreibt, illustriert er auch die Lage jener Dörfer, in denen die GSELC arbeitet. 

24.08.06 Flutkatastrophe löst neue Diskussionen aus

Die Überschwemmung des Godavari (siehe dort) löst neue Diskussionen bezüglich des Polavaram-Staudammes aus. So berichtet der Deccan Cronical Hyderabad davon, dass der Damm einer derartigen Wassermenge nicht gewachsen wäre. Auch würde die geplante Dammhöhe von 150 Fuß bedeuten, dass die Tempelstadt Bhadrachalam bei vollem Stausee überschwemmt würde. Außerdem wird die Haltbarkeit des Staudammes in Frage gestellt.
Befürworter des Projektes sehen dieses als Dauerlösung für die durch derartige Überschwemmungen immer wieder leidenden Menschen. Einmal umgesiedelt müssten nicht ständig Existenzen neu aufgebaut und dazu Millionenbeträge aufgewandt werden - vom menschlichen Leid einmal abgesehen. Die Gegner führen dagegen an, dass wieder vor allem die Tribals die Leidtragenden sind und man den Versprechen der Regierung auf gute Entschädigung nicht trauen kann. Außerdem gibt es noch immer keine Konzepte für Siedlungen, die auch den Lebensgewohnheiten der Stammesleute entgegen kommen.

Insgesamt scheint sich in Indien, aber auch hier im Moment nicht mehr das "Alles oder Nichts" beider Seiten durchzusetzen, sondern es wird über eine Verkleinerung des Projektes nachgedacht und ob und wie es durchgeführt werden kann und dabei eben weniger Schaden anrichtet.

28.07.06 Widerstand auf vielen Ebenen

Noch immer ist der Weiterbau des Projektes gestoppt. Zwar bemüht sich die Regierung von A.P. intensiv um die gerichtliche Freigabe, scheitert dabei jedoch immer wieder. Auch die Finanzierung scheint sehr fragwürdig und deshalb werden die Betreiber enorm unter Druck gesetzt. Man spricht von "Prestigeprojekt" und dass nur weitergebaut werden soll, weil Leute sich ein Denkmal setzen wollen. Hinzu kommt, dass viele Wahlen anstehen und die Congress-Partei wegen des Projektes viel Zuspruch eingebüßt hat. In den Kommunalwahlen der Region hat sie bereits massiv verloren.
Ein kleines aber informatives Beispiel in Sachen Widerstand (englisch) finden Sie über diesen Link. Durch die Informationen von H.Brünjes sind in Deutschland sieben Organisationen in den Widerstand eingestiegen und diese fördern wiederum ihre indischen Partner, die zum Teil auch in der Region am Godavari arbeiten. Eine dieser Organisationen ist die SAKTI, Hyderabad, die sich für die Stammesleute und den Erhalt der Natur einsetzt.

18.07.06 Voten der indischen Partner bei Konsultation in Chennai

E.Krause: Ausführlich wurde die Situation besprochen, die durch das Polavaram- Projekt entstehen wird. Die GSELC hat als Kirche bisher nicht reagiert, wohl aber haben viele Mitglieder der Kirche durch ihre politischen Parteien protestiert. Die Kirche, so berichtet Präsident Amos, befürchtet, dass sie in der augenblicklichen Situation Nachteile bekommen könnte, wenn sie offiziell Protest gegen das Projekt einlegen würde. Von dem Projekt sind 5 Mandel (Landkreise) betroffen und etwa 200.000 Familien aus 278 Dörfern. 70 % des Kirchengebietes fällt darunter.

Es gibt kein Vertrauen in die Versprechen der Regierung. Viele Stammesleute haben keine, oder nur unzureichende Besitzurkunden. Außerdem ist gänzlich unklar, wohin eine Umsiedlung stattfinden kann. Es werden Konflikte mit den Einwohnern der Gebiete befürchtet, in die die Vertriebenen umgesiedelt werden sollen. Zwar verspricht der Staat, dass er für „Anbetungsplätze“ sorgen will, lässt aber offen, für welche religiösen Gruppierungen. Die Befürchtung ist, dass die jeweiligen Mehrheiten berücksichtig werden und Tempel und Moscheen gebaut werden, aber keine Kirchen.

Viele werden keine Landwirtschaft mehr betreiben können. In der Diskussion wird deutlich, dass die Kirche Handwerkerausbildung betreiben muss.
01.05.06 Baustopp und erhöhter Widerstand

Das indische Verfassungsgericht hat einen Baustopp für das Polavaram-Projekt verfügt und das Parlament des Bundeslandes A.P. musste daraufhin alle Arbeiten einstellen. Geklagt hatte das Forest Departement (Forstbehörden), da zuviel Wald vernichtet und damit ein zu massiver Eingriff in die Natur vollzogen wird. Auch Tribal-Gruppen hatten geklagt und so ist die Regierung aufgefordert, die Fragen bezüglich des Schutzes des Waldes und der Tribals noch einmal neu zu beantworten.
Die Regierung von A.P.setzt dafür 3 Monate an und hofft, bis dahin den Baustopp aufzuheben.

Zeitgleich mobilisiern die kommunistischen Parteien zusammen mit Tribalorganisationen einen flächendeckenden Widerstand. Zur Zeit laufen viele Veranstaltungen in 160 Dörfern.

23.4.06 Immer mehr Gruppen engangieren sich gegen das Projekt.

Inzwischen wächst der Protest gegen das Projekt und für die Erhaltung der Lebensräume für Adivasis in Deutschland. So haben einige Gruppen einen Flyer herausgegeben, der zum Widerstand gegen das Projekt einlädt. Die Gesellschaft für bedrohte Völker hat am Sonntag, 23.April in Hannover demonstriert und Politiker und die Medien informiert und um Unterstützung gebeten. Der indische Priemer Minister Manmohan Singh hat zusammen mit der Bundeskanzlerin Dr.Merkel die Industriemesse in Hannover eröffnet. So gab es einen Anlass, auf die Kehrseite des Wirtschaftsbooms in Indien hinzuweisen.
Inzwischen arbeiten wir mit verschiedenen Organisationen, die sich für Menschenrechte einsetzen zusammen. In Kürze wird ein Flyer über das Projekt erscheinen und zum Widerstand einladen.

12.04.06 Infos über die Bautätigkeiten

Detlef Stüber, Mitarbeiter der ASW (Aktionsgemeinschaft Solidarische Welt) war im März in Indien und konnte das Gebiet des Projektes sehen. Er schickt einige Fotos, die zeigen, dass die Arbeit begonnen hat.

12.04.06 Polavaram Umsiedlung

(Auszüge aus dem Reisebericht von Hermann Brünjes)

Im Folgenden gebe ich einige Passagen meines Reisetagebuches bezüglich des Polavaram-Projektes wieder. Unserer Wahrnehmung gemäß ist die Krise in der Leiterschaft der GSELC die bisher größte Herausforderung unserer jungen Partnerkirche (und damit auch für uns als FMD). Das Polavaram-Projekt wird meiner Meinung nach gleichermaßen verändernde Konsequenzen haben und zu enormen, wenn auch ganz anderen Belastungen führen.

Samstag, 25.März 2006

Heute findet in Bhadrachalam und anderen orten eine Großdemo statt. Auch viele der Pastoren nehmen daran teil. Die Kirche hat auch 40.000 Rs. beigesteuert, damit solche Aktionen laufen können, ist jedoch nicht als Organisation sondern mit Personen beteiligt. Angeblich nehmen die Proteste von Tag zu Tag zu. Philip erzählt, dass die Umsiedlung ortnah geschehen soll und man große Siedlungen plant. Das wird von allen abgelehnt – und wirklich Platz ist nicht. Auch den Versprechen der Regierung glaubt man immer weniger. Besuchen können wir den Ort des geplanten Dammes nicht, da das Gebiet für Besucher von außerhalb abgesperrt ist. Philip will herausfinden, woher Geld für das Projekt kommen soll. Er hat von der holländischen Regierung gehört, die ohnehin Wasserprojekte in der Gegen finanziert hat. Ausländische Firmen allerdings sollen nicht beteiligt sein, da Indien inzwischen alles selber machen kann und auch will. Vor allem der Premier Minister treibt das Projekt voran. Nach Philips Kenntnis ist Paul Raj nicht direkt beteiligt, sondern nur Abgeordnete aus der Region.

Besichtigung einer der für die Umsiedlung vorgesehenen Landflächen. Wir erreichen die Schnellstraße von Ashwaropeta nach Khammam (92 km) und fahren ein kleines Stücken nach Westen, wo wir einen einzelnen Hügel im Süden der Straße sehen. Hier, etwa 3 km beidseitig entlang der Straße, sollen 9.000 Familien (ca.40.000 Personen) aus dem Elerupadu-Mandal angesiedelt werden. Jede Familie soll ein Haus bekommen (im Wert von 25.000 Rs., also eines der schlichten Katastrophenkästen), und ein Grundstück von ca.30x30m. Die Regierung hat, wie unser selbst davon betroffener Fahrer erzählt, den Nicht-Tribals Geld angeboten. Bei ihm waren es 40.000 Rs. bei sofortiger Umsiedlung. Dazu ein neues Haus. Wenn er jetzt nicht geht, bekommt er nur das ihm gesetzlich zustehende Haus und kein Geld. Die Non-tribals bekommen für Haus und Grundstück Ersatz und für ihr Land das ortsübliche Geld. Wenn sie auf Government-Land siedeln, ist das sehr wenig. Landlose Non-Tribals bekommen den Lohn für 265 Arbeitstage, d.h. 40.000 Rs.

Die Tribals bekommen Haus und Grundstück und dazu Land gegen Land. So wird ihnen ihre Lebensgrundlage wieder gegeben. Das Land wird außerdem geschützt und verbleibt wie das für den Stausee abgenommene Land Eigentum der Regierung. Soweit die Versprechen der Regierung von A.P.

Im Moment wird bei diesem riesigen Areal die nördlich der Straße gelegene Seite landwirtschaftlich genutzt und im Süden der Straße wachsen Büsche, Bäume und Steine. Dieses Land hat die Regierung der Forstbehörde entnommen und ihr dafür offenbar irgendwo Ersatz für die Aufforstung gegeben.

Unser Fahrer und die Pastoren bestätigen einmütig, dass die Tribals solche Lebensform und auch die Umsiedlung ablehnen. Aber es wird ihnen keine andere Alternative geboten. Unser Fahrer kämpft nicht gegen die Vertreibung (obwohl er wirklich gegen das Projekt ist und vor allem die Tribals und Dalits als Opfer sieht!), weil er Angst hat, am Ende nichts zu bekommen. Ich halte das Vorgehen der Regierung für einen gravierenden Eingriff in die Lebensweise dieser Leute. Selbst wenn die Regierung zu ihren Versprechen steht, was ich nicht glaube, passen die Tribals nicht in diese Umgebung. Eine Schnellstraße mittendrin! D.h. auch Shops, Raststätten, Müll, Durchgangsverkehr, nächtliches Hupen und Motorengeräusch und ich weiß nicht, was sich alles auf den nächtlichen Straßen Indiens noch zuträgt.

Wo das Land der hier angesiedelten Adivasis für die landwirtschaftliche Nutzung liegt? Genau wusste der Fahrer das auch nicht. Offenbar liegt das geplante Land noch weitab und die Leute können es nicht direkt von ihren Höfen aus bewirtschaften, oder nur unter großem Aufwand. Hier jedenfalls sind nur die Siedlungen geplant, zu beiden Seiten der schnell und stark befahrenen Schnellstraße!!! Wir schlafen in dieser Nacht ganz in der Nähe dieser Straße und hören die schweren LKW ohne Pause wenn sie vorbeifahren.

Ähnliches Land hat die Regierung von A.P. (also der nette Herr Chief Minister, mit dem ich im Flugzeug unterwegs war) auch für die anderen Mandals gekauft. So soll in der Gegend von Sandrakunta Land für Borgampadu-Kokonoor gekauft worden sein, bei Cherla (an der Staße Bhadrachalam/Cherla) für Nellipaka-G.J.Padu-Kunavaram-Chritti also auch die Sabaridörfer und in der gegend von Vinayakapuram für die östlich von Yelerupadu betroffenen Regionen, also auch Koyda, Yedavalli usw.