Umsiedlungen im Mai

Nachricht 04. Juni 2021

Erste Umsiedlungen beginnen ...

Es geht los. Tausende müssen ihre Heimat verlassen. Uns erreicht ein trauriges Video: In Koida, dem östlichsten Dorf mit einer Gemeinde aus der GSELC werden die Leute evakuiert. Viel zu früh im Jahresverlauf ist der Fluss wegen der Teilstauung über die Ufer getreten. Die Leute verlassen ein letztes Mal ihre Häuser und Hütten.

Wir bekommen Listen mit Zahlen, zu vertrauten Namen von Landkreisen und umgesiedelten Familien: 1. Kukunooru 3024, Verlurerupadu 4.094, Polavaram 3.311, Devipatnam 5.142, V.R.Puram 2.124, Kunavaram 217.

Wohin die Familien kommen, berichten wir später. Auch wie es dort beginnt usw. wwerden wir verfolgen. Kleine Hilfen vom FMD werden sicher erforderlich. Wenn Sie spenden möchten, vermerken Sie bitte "Umsiedlung Polavaram".

Einige Zahlen vom 9. Juni:

Erst 20% der Umsiedlungen sind vorgenommen. 3.600 Familien sind in 25 Siedlungen verbracht worden. 90 weitere Siedlungen sind im Bau. 21 davon sollen im Juni, 31 bis Ende Juli fertig werden, bis Ende August sollen 84 Siedlungen bezogen werden und dann 16.000 Familien umgesiedelt sein. Insgesamt werden für 17.000 Familien Häuser gebaut – so jedenfalls die Ankündigungen der Regierung von Andhra Pradesh.

Wegen Corona Umsiedlungen verschoben

Wegen der Corona-Krise wurden erste Umsiedlungen wegen des Polavaram-Staudamms verschoben. Im Mai sollen nun größere Umsiedlungen vorgenommen werden. Ein Artikel im New Indian Express liefert interessante Zahlen dazu.

Das Projekt besteht aus zwei Stausperren: Der 1.110 m lange aus Beton gegossene Staudamm (Überlauf, Spillway) hat 53 Blöcke mit 48 Toren dazwischen. Im Moment sind von den geplanten 54 m Höhe der Pfeiler erst 34 m erreicht. Wenn 42,5 m erreicht sind und sämtliche Tore eingebaut, ist das Bauwerk funktionsfähig.

Der Kofferdamm muss dann allerdings ebenfalls fertig gestellt werden. Er wird aus Felsblöcken und Erde aufgeschüttet und ist 1.200 m lang und 42,5 m hoch.

Die Regierung hat einen Aktionsplan für die Umsiedlung vorgelegt (R&R = Rehabilitation & Resettlement). Bis der Damm 41,15 m hoch ist, müssen 17.860 Familien umgesiedelt werden. Für sie wurden 11.500 Häuser in 47 Kolonien errichtet.

Bis Erreichen einer Stauhöhe von 45,72 m (spätere Tiefe des Stausees) müssen insgesamt 105.601 Familien umgesiedelt werden.

Die Regierung betont, dass die Vorgängerregierung ihre Ziele nicht erreicht hat, nun jedoch mit Hochdruck, auch trotz Corona, an allen Bauten gearbeitet wird. So werden auch die Kanäle mit den Tunneln fertig gestellt und weitere Hügel abgetragen.

Zur Lage der GSELC: Die UELCI (Indischer Kirchenbund luth. Kirchen) wird einen Entwurf für Hilfsprogramme vorlegen. Gemeinden müssen ebenfalls verlegt werden. Teilweise werden sie auseinandergerissen und in unterschiedliche Kolonien umgesiedelt. Es gibt noch diverse Ungerechtigkeiten in den Entschädigungen. Zudem wird das Geld immer knapper. Wir gehen davon aus, dass die Kirchen, auch der luth. Weltbund und das ELM, die Geschwister der GSELC unterstützen. Wenn es konkrete und kleiner Hilfsprojekte gibt, die darüber hinaus unbedingt erforderlich sind, werden vermutlich auch Anfragen an den FMD gestellt.

Im Landkreis (Mandal) Velerupadu werden jetzt die ersten 15 Dörfer umgesiedelt. Gleiches gilt für 19 Dörfer im Landkreis Polavaram. Wenn der Fluss während des Monsuns steigt, wird er Dörfer und Felder überschwemmen, da er bereits beim Projekt des Polavaram-Staudamms teilweise aufgestaut wird. Der Damm wird dann 41,5 Meter hoch sein. 

Im Bereich Velerupadu leben in allen Dörfern christliche Familien, in manchen auch Gemeinden und Kirchen. Betroffen sind die bei uns gut bekannten Dörfer Koyda, Yedavalli, Telupalli, Koturu u.a. - also jene Orde, die direkt am Steilufer des Flusses liegen. Die bisher wunderschönen Täler mit Feldern, Wald und kleinen Bachläufen werden überschwemmt. 

Umgesiedelt werden die Bewohner (ca. 7.000 Familien) in den Süden. Im Bereich der großen Dörfer Tadvai, Buttayagudem, Doramamidi, Rachannagudem und Mulagala wurden große neue Siedlungen errichtet, in denen je etwa 500 Familien, also weit über tausend Menschen leben sollen. Bis zum 15.8. soll die Umsiedlung abgeschlossen sein. Jede Familie soll 2 acre (knapp 1 Hektar) Ackerland und 6.36.000 Rupien ( ca. 7.700 €) Entschädigung bekommen.

Hier finden Sie die Infos zur ersten Umsiedlung.

Hier gibt es weitere Hintergründe und aktuelle Nachrichten zum Polavaram-Projekt.

Das Bild zeigt einige der neuen Häuser für Deportierte. Sie sind im Vergleich zu den jetzigen Hütten stabil und komfortabel. Es gibt auch noch etwas größere als diese mit 3 Räumen - aber der Lebensweise der Stammesangehörigen (Koya-Stamm) entsprechen solche Gebäude nicht und wie klimafreundlich sie sich  im Monsun erweisen, oder in großer Hitze, erscheint fraglich. Die Familien werden sich komplett umstellen müssen ...

Dies betrifft ohne Übertreibung alle Bereiche: Die Grundstücke sind klein, noch gibt es weder Arbeit noch ausreichend Felder. Der Wald als Nahrungsquelle ist nicht mehr zugänglich. Zwar werden 2 acre verlorenen Landes ersetzt - doch dies reicht nicht zum Überleben. 

Die Familien haben sich lange geweigert, ihr Dorf zu verlassen. Die vorige Regierung hat jeder Familie 1,8 lakh Rupien (heute 2.100 €) als Übergangshilfe versprochen. Die neue Regierung hat sogar 10 lakh zugesagt (ca. 11.500 €). Gesehen haben die Leute bis heute nichts. Trotzdem soll die Umsiedlung Ende Juli durchgeführt werden, notfalls mit Polizei. Kurz vor Deportation ist die Rede von ca. 7.700 € Entschädigung. 

Insgesamt vom Polavaram-Projekt betroffen sind 105.601 Familien - 70.929 in East Godavari und 34.672 in West Godavari. 

Hier finden Sie ein paar sehr persönliche Gedanken von Hermann Brünjes zur Umsiedlung.

GSELC-Gemeinden im Umbruch

Für die Christen stellt sich ein weiteres Problem: Die Gemeinden sind zerrissen. Stammesleute und Hindukasten werden in getrennte Dörfer umgesiedelt. So werden die bisher gemischten Christengemeinden zersplittert. Ob es Kirchbauten gibt, bleibt noch offen. Die GSELC verhandelt mit den Politikern. 

Erschwert wird der Prozess durch die Corona-Krise. Die Region befindet sich wegen einiger Infektionen noch im Lockdown. Die Umsiedlung soll dennoch erfolgen, angeblich unter starken Sicherheitsvorkehrungen. Die Kirchenleitung in Kooperation mit NGOs war mit ihren Eingaben zur Verschiebung erfolglos. 

Die Informationen bekommen wir außer durch Presseberichte aus Indien von unseren Partnern per WhatsApp und in Telefonaten. Sie lassen grüßen und bitten herzlich um unsere Gebete. Hier drucken wir einen Brief (ins Deutsche übertragen) ab, der uns am 7.7. erreicht hat:

Rehabilitation und Neuansiedlung der betroffenen Personen und Familien des Polavaram-Projekts

Das Bewässerungsprojekt Polavaram, das am Fluss Godavari durchgeführt wird, ist ein Mehrzweck-Reservoir, das 2,91 Hektar Bewässerung und 540 Dörfer mit Trinkwasser versorgt. Viele Stämme, die von geringfügigen Waldprodukten abhängig waren, wurden entwurzelt und an Orte gebracht, an denen es keine Existenzgrundlage gibt.

Fast 1.626 Familien, die zur GSELC gehören, d. h. 4012 Menschen aus 24 Dörfern, ziehen in fremde Orte (dies nur von der Südseite der Godavari – die Nordseite folgt). Die meisten von ihnen sind Tagelöhner, kleine Landwirte und Handwerker wie Schreiner, Schneider usw. Die Regierung verlegt sie in neue Häuser, die sich in städtischen Siedlungen befinden.

Die Regierung entschädigte registrierte Grundstücke und Felder. Viele unserer Kirchenfamilien hatten kein registriertes Land, aber mit Hilfe von Regierungsbeamten erhielten einige von ihnen eine Entschädigung für nicht registriertes Land, das ihnen jedoch seit vielen Jahren gehört. Bei einigen Familien, die kein Ackerland haben, ist die Situation jedoch völlig anders. Sie sind hauptsächlich von Handwerk abhängig. Die Stammesangehörigen leben von der Landwirtschaft, Forstprodukten, Geflügel- und Schafzucht usw. All dies wird bei diesem Umstellungsprozess verloren gehen und so verlieren die Familien ihre Einkommensquelle. Zudem sind die Meisten in ihrem täglichen Leben hauptsächlich auf Waldprodukte angewiesen.

Die Rehabilitation und Neuansiedlung der betroffenen Personen und Familien erfolgt gemäß den geltenden Richtlinien. Die Vertreibung von Menschen aus ihrer Heimat und Umfeld ist jedoch das Hauptproblem.

Auch die Kirche verliert: Mitglieder und Vermögen. Wir bitten Regierungsbeamte um Kirchengebäude und erwarten eine positive Antwort von der Regierung.

Das Hauptproblem der Stammesangehörigen ist für sie der Lebensunterhalt in einem neuen Gebiet. Da die meisten von ihnen Analphabeten sind, mangelt es an Bewusstsein für Technologie und Kommunikationsfähigkeiten. Sie werden und müssen vor allem um den täglichen Bedarf kämpfen, weil sie in diesem städtischen Gebiet nicht regelmäßig Arbeit finden.

Die Regierung kündigte an, Transportmöglichkeiten für die Verlagerung zu übernehmen und Familien ein Jahr lang mit einem nominalen Betrag monatlich zu unterstützen. Diese Hilfe wird jedoch nicht ausreichen, um die Familien zu ernähren.

Gemeinden werden durch diesen Verschiebungsprozess geteilt, d. h. Häuser von Stammesvölkern, werden den ausgewiesenen neuen Stammesdörfern zugewiesen, Nicht-Stammesangehörige werden in andere Regionen umgesiedelt. Das ist sehr schlecht für die Zukunft der Kirche. Die Kirche ist sehr traurig darüber, dass sie die gemischten Gemeinschaften in den Kirchengemeinden verloren hat.

Die Kinder werden sich mit der Zeit zwar schulisch entwickeln, aber in den ersten Tagen und Monaten sehr leiden und kämpfen müssen, um die Unterrichtsziele im städtischen Gebiet zu erreichen. Unsere Stammeskinder können nicht gut Englisch und Fachsprachen. Es ist definitiv ein Problem für ihre Studien. Einige der Stammeskinder können nicht einmal gut Telugu, weil sie in ihrer traditionellen Sprache geboren und aufgewachsen sind.

Stammeskultur und -traditionen haben eine jahrtausendlange Geschichte und der Lebensstil ist gesund und gut für die Umwelt. Auf jeden Fall wird es den Stammesangehörigen Kultur und Traditionen kosten. Ihr neuer Lebensstil ist komplizierter und komplexer als ihr heutiger Lebensstil.

Die Kirche möchte in dieser Hinsicht helfen, aber mit der finanziellen Kraft von ist es nicht möglich. Wir bitten Sie und euch deshalb darum, diese Hilfe für die Zukunft der Kirche und den armen Familien zu ermöglichen.

Erstens wollen wir Kirchengemeinden in bestimmten Gebieten mit Pastoren und verfügbaren Ressourcen wieder aufbauen. Später wollen wir versuchen, alle Mitglieder der Kirche wieder zu erreichen und die Kontakte zwischen allen zu verbessern. Wir freuen uns sehr, dass unsere Familien spirituelle Stärke und Zuneigung in der Gemeinde zeigen und sich mit der GSELC stark identifizieren. Wir wollen diese spirituelle Stärke und Einheit in der Kirche nicht verlieren.

Als finanzielle Hilfe möchten wir den Familien zwei Monate lang helfen, ihre grundlegenden Bedürfnisse besser zu decken. Es wird viel kosten, deshalb bitten wir Sie um Hilfe. Als Kirche wollen wir, dass unsere Leute glücklich sind und sichtbar gut mit der Situation umgehen können. Für ihr Überleben wollen wir Schulung zur Kompetenzentwicklung für lebensnotwendige Kenntnisse bereitstellen.

Durch Sensibilisierung für Selbstständigkeits-programme wie Schneiderei, Schreinerarbeiten, Geflügel auf kleinem Raum, Kindergartenplantage und Gemüsegarten für Haushalts- und Geschäftszwecke kann ihnen geholfen werden.

Für unsere Kinder, die Englischunterricht bekommen, helfen Computer und Kommunikation ihnen beim Lernen, und Lerngruppenzentren in diesen neuen Bereichen werden unseren Kindern viel helfen. Heutzutage muss Computerarbeit in jeder Organisation, für Beschäftigung und Selbstständigkeit wie E-Seva, Me-Seva und Rechenzentren, Computerwissen und Bildung erforderlich sein. Indem diese Ausbildung unserer Jugend angeboten wird, wird ihnen sehr geholfen. Ausbildungszentren für Schreiner, Schneider und andere Handberufe werden unseren kirchlichen Jugendlichen, Witwen, Waisen, Halbwaisen und körperlich behinderten Menschen sehr helfen.

Bitte denken Sie über dieses Polavaram-Umsiedlungs-Probleme in GSELC-Kirchenfamilien und in GSELC-Kirchengemeinden und ihre Zukunft nach.

Wir bitten Sie um Hilfe.

Wir wollen, dass unsere Leute die Probleme in Gemeinschaft lösen können. Wir beten für sie und Bitten Euch und Sie um Gebet. Bitte denkt an uns.

Vandanalu, in Christus verbunden

Rev. K.Daniel (President GSELC)

7.7.2020