Kirchenleitung / aktuelle Entwicklungen 2005
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Infos Ende Oktober 2005:
Anhand einiger Auszüge von Berichten bzw. aus den FMD-Impulsen 106 geben wir ein Bild der Situation in der Kirchenleitung der GSELC.

E.Krause in den FMD-Impulsen:
... es zeigte sich schon sehr früh, dass ein Problemfeld die Kirche und auch unsere Partnerschaft schwer belasten könnte: der Führungsstil und die Persönlichkeit des Kirchengründers Paul Raj. Schon bald zeigte sich, dass es ihm nicht möglich war, Verantwortung abzugeben und mit anderen zu teilen. Zwar hatte sich die Kirche, wie auch anderen indischen Kirchen, eine demokratische Kirchenverfassung gegeben, aber Paul Raj konnte sich nicht unter diese Verfassung stellen. Zwar setzte er 1996 seine Frau Katakshamma als erste Bischöfin der Kirche ein und ließ sie in einem feierlichen Festgottesdienst durch andere Bischöfe weihen, aber die Leitung blieb fest in seiner Hand. Keine Entscheidung durfte ohne seine Zustimmung gefällt werden. Junge Pastoren verließen die Kirche, weil sie unter der autoritären Führung nicht arbeiten konnten und wollten. Mitarbeiter aus Deutschland, die von der GSELC eingeladen, zeitweise in der immer umfangreicher werdenden Verwaltung mithelfen sollten, mussten unverrichteter Dinge zurückkehren, weil der Gründerpräsident ihnen notwendige Zugänge zu Arbeitsfeldern versperrte. Die Entsendung eines theologischen Mitarbeiters für die Bibelschule scheiterte unter anderem daran, dass Paul Raj selbstständiges Arbeiten unterband. Gespräche, die wir miteinander immer wieder darüber führten, brachten nur kurzzeitige Veränderung.
Nach dem plötzlichen Tod seiner Frau Katakshamma im Jahr 1997 trat sein latent vorhandenes Alkoholproblem offen zutage. In dieser Zeit begann er, gegen den Rat aller Fachleute und Freunde, ein Engineering- College aufzubauen und sich um einen Sitz im Parlament des Bundesstaates Andhra Pradesh zu bemühen. In beiden Fällen erreicht Paul Raj sein Ziel, verliert dabei aber das Vertrauen eines großen Teils seiner Pastorenschaft. Auch seinen Partnern in Deutschland liefert er viele Gründe, im nicht mehr zu vertrauen.
Als er im Jahr 2002 Rev. Amos zum Präsidenten wählen lässt, und öffentlich seinen Rücktritt erklärt, hoffen wir, dass ein Generationswechsel ohne ernsthafte Krise für die Kirche möglich wird. Doch Paul Raj kann nicht abgeben und regiert weiter autoritär und übergeht dabei die gewählten Institutionen. Bei einem Treffen der Kirchenleitung im Januar 2003 kommt es zum offenen Bruch zwischen Paul Raj und allen seiner Pastoren. Paul Raj, der sich weigert, an den Sitzungen teilzunehmen, wird aufgefordert, die Kirche zu verlassen und die gewählte Kirchenleitung zu respektieren. Zusammen mit dem Asiensekretär der ELM, Dr. Manoharan und einem Vertreter des CVJM Esslingen bin ich Zeuge dieses Prozesses. Gemeinsam versichern wir deutschen Gäste, dass wir unsere Partnerschaft selbstverständlich mit der Kirche aufrechterhalten.
Wenige Wochen später gelingt es Paul Raj, die Einheit der Pastoren zu zerschlagen und bringt einige, vor allem ältere Pastoren, auf seine Seite. In vielen Begegnungen versuchen wir, zur Einheit der Kirche beizutragen. Die UELCI, die Vereinigte lutherische Kirche Indiens mit ihren Generalsekretär Chandren Paul Martin wird um Vermittlung gebeten. Aber auch seine Bemühungen scheitern.
Heute sind wir überzeugt, dass die überwältigende Mehrheit der Christen in der GSELC unter Leitung ihrer gewählten Executive und ihres Präsidenten Amos eine eigenständige Kirche formen muss. Dabei teilen wir die Hoffnung dieser Gruppe , dass die Pastoren und Gemeinden, die sich von der autoritären Leitung durch Paul Raj bisher noch nicht befreien konnten, sich bald einfinden werden.

F.Jürgens in den FMD-Impulsen 106:
Das Neue Testament zeigt uns keine geschönte Erfolgsgeschichte und dass kann uns Mut machen, wenn wir heute in Problemen stecken. Seit einigen Jahren schwelen in der GSELC Konflikte, die nun für alle sichtbar geworden sind. Zum Einen geht es um die Frage, wer eigentlich die Kirche leitet. Die nachgewachsene Generation beruft sich auf Wahlen und die Verfassung der Kirche, während der Gründer mit einigen Anhängern auf seinen angestammten Platz beharrt und die von ihm selbst vorgeschlagene Ordnung nicht akzeptieren will. Außerdem zeigt sich, dass die überwunden geglaubte Kastenordnung weiterhin eine Rolle spielt, denn auf der einen Seite haben sich vor allem Leute aus dem hinduistischen Hintergrund gesammelt, während die zweite Gruppe hauptsächlich aus Stammesleuten besteht. Nur dünn scheint so der Boden zu sein, auf dem das Evangelium Fuß gefasst hat. Und der Satz: „In Christus gilt keine Kaste!“, den wir oft in der GSELC hören konnten, scheint nun nicht mehr in Kraft zu sein.
Die Kirche ist somit in eine handfeste Krise geraten, deren Ausgang offen ist. Es wird z.T. mit „harten Bandagen“ gekämpft. Es gibt Verleugnungen und Lügen und eine Seite hat Prozesse angestrengt, um den anderen zu Schaden. Nicht nur das hinduistische Umfeld, sondern auch benachbarte Kirchen, sehen diese Entwicklung mit einer gewissen Schadenfreude. Die Einen, weil ihnen die erfolgreiche Kirche mit ihrem sozial-diakonischen Ansatz ohnehin ein Dorn im Auge ist, die Anderen, weil die Situation in der GSELC von den eigenen schwierigen Fragen ablenkt.

H.Brünjes über den Versöhnungsversuch in Bangalore im Okt.2005:
In Bangalore, an einem wirklich neutralen Ort, wurde zwei Tage lang erneut um die Einheit der GSELC gerungen. Aus der Amos-Gruppe, vor zwei Jahren als Kirchenleitung gewählt, kamen 17 Delegierte unter der Leitung von Präsident Amos. Von der Gruppe, die Paul Raj für sich gewonnen hatte, kamen 10 Delegierte unter der Leitung des von Paul Raj eingesetzten Leiters Pastor Johnson. Außerdem waren Delegierte der Nachbarkirchen vertreten, der Leiter der UELCI (United Evang.Lutheran Church of South India), der Asienreferent des ELM (er moderierte die Sitzungen), Delegierte des FMD und des CVJM Esslingen. Nicht anwesend war Paul Raj obwohl er dies schriftlich zugesagt hatte und zusammen mit E.Krause selbst zu dem Treffen eingeladen hatte.
Am ersten Tag waren alle Beteiligten bereit zur Versöhnung und beschworen ihren guten Willen. Am zweiten Tag scheiterte die Vereinigung an der Frage der Einbeziehung der UELCI . Während Amos als Leiter seiner Gruppe souverän und selbstständig agierte, nahm Johnson immer wieder telefonische Rücksprache mit Paul Raj.
Die gewählte Kirchenleitung besteht auf die Einbeziehung der UELCI in der Vorbereitung von Neuwahlen. Wir deutschen Partner sehen es genauso: Die GSELC ist Mitglied dieses indischen Kirchenbundes. Verlässt sie ihn, nimmt sie nicht ernst, dass sie als lutherische Kirche auch in den Verbund der anderen Kirchen hinein gehört. Außerdem sieht die Verfassung der GSELC vor, dass bei Unstimmigkeiten die UELCI vermitteln soll und die Amos-Gruppe besteht darauf, weil sie besonders dem Generalsekretär, Chandren Paul Martin, vertrauen. Daran, dass Paul Raj die UELCI auf keinen Fall einbeziehen will, wird deutlich, dass er versuchen will, den Wahlen seinen eigenen Stempel aufzudrücken.
Das Treffen endete für uns Besucher aus Deutschland und die indischen Vermittler und Moderatoren traurig, da eine Versöhnung weiter denn je schien. Die Johnson-Gruppe zog ebenfalls betroffen davon. Der Eindruck, sie wären gerne auf die anderen zugegangen, durften nur nicht, setzte sich in uns fest. Die Amos-Gruppe dagegen war voller Freude und Optimismus. Später verstärkte sich der Eindruck, dass diese Gruppe, der über 30 und dazu sehr, sehr lebendige Gemeinden angehören, während es bei der anderen Gruppe nur maximal 10 sind (67 zu 24 Mitarbeiter), damit rechnet, dass die Pastoren um Paul Raj irgendwann doch zu ihnen zurück kommen werden. Also: Die Gruppe um Amos wird ihren eigenen Weg gehen und bittet weiterhin um unsere Unterstützung und um unsere Gebete.

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