Neuigkeiten von SHALOM

Hier berichten wir gelegentlich von neuen Entwicklungen, den Besuchen und interessanten Ereignissen. Hintergründe zur Shalom-Foundation und ihren Projekten erfahren Sie über diesen Link oder die Navigation links.

Infos Shalom-Foundation

15.-18.Januar 2017 Besuch der Shalom-Foundation durch MZ-Delegation

Mit dabei waren Linda Schmols und Annika Brunotte (ExHausgemeinde), Dieter Pintatis und Hermann Brünjes. Hier findet Ihr Auszüge aus dem Tagebuch:

Gegen 12.00 Uhr sind wir von Vellore. Die Stadt liegt zwischen Bergen. Wir besuchen zuerst das Fort und den Tempel.
Das Fort besteht aus einer beeindruckenden Mauer mit Schießscharten und Türmen, davor ein Wassergraben. Es stammt aus dem Mittelalter, wie auch der Tempel (1540). Innerhalb des Forts hatten die Engländer eine Garnision, eine Kirche wurde gebaut und in der Mogulenzeit auch eine Moschee.
Wir besuchen den Tempel. Es ist Hochbetrieb. Affen bevölkern den Turm und schnorren Bananen. Die Nischen für die verschiedenen Gottheiten sind von einem Priester besetzt und es werden Segenssymbole verteilt. Ein Brunnen wird, fast wie ein Opferstock, mit Münzen und auch einigen längst aufgeweichten Scheinen gefüttert. Abgetrennt durch eine Plane sitzen Leute und essen. Götter, Götter. Götter .... die Säulenhalle Wishnus mit dem Elefanten und Büffel, die sich einen Kopf teilen ist von Pilgern und Touristen belagert. Auf der Opferplattform tanzen kurz zwei übermütige Mädchen. Leider ist das fotografieren im Tempel verboten.

Umso mehr bietet sich de Außenanlagen an. Von der Mauer aus kann man gut sehen, wie der Tempel mit den Höfen und dem Allerheiligen aufgeteilt ist. Auch auf der Mauer Touristen. Junge Mädels posieren wie Models. Zwei voll verschleierte Muslima warten auf etwas und spielen mit ihrem Handy.

Matthew, treasuerer von Shalom, war Hindu, bevor er mit 22 Christ wurde. Heute ist er 45 Jahre als. Ich frage ihn, wie das war und wie er geglaubt hat. Er meint, er wäre auf der Suche nach Frieden und Energie gewesen, habe sie in den Göttern aber nicht gefunden. Die Auswahl der Götter hing an der Kaste und Familie. So haben sie z,B, nicht Wishnu, sondern Shiva angebetet und jene Gottheiten, die in dessen Familie gehören. Gefühlt habe er nichts. Seine Familie ist allerdings bis heute eher eine liberale Hindufamilie. Er habe dann für Shalom gearbeitet und sei dadurch Christ geworden.

Shalom - Home, Vellore

Gegen 13.00 Uhr kommen wir ins Shalom-Hostel. Die Kinder erwarten uns. Es sind 19 Jungen, alle aus sehr armen Verhältnissen und viele von ihnen Waisenkinder. Wir bekommen ein festliches Essen mit Chicken Byriani, Rindfleisch, Blumenkohl, Gebratene Nudeln. Dann ruhen wir etwas aus. Es gibt hier Internet - eine letzte Gelegenheit vor den Yelligiris.
Am Nachmittag kommt Mr.Saresh mit seiner Frau. Er ist 62 Jahre und wird für 3 Jahre die Leitung von Shalom übernehmen. Dreimal je Woche kommt er aus Chennai. Erfahrung hat er genug, da er zuletzt eine leitende Position bei World Vison hatte und in diversen Initiativen mitarbeitet. Ein sympathischer Mann mit guter Ausstrahlung, Humor und Power. Auch seine Frau lernen wir kennen. Sie leitet eine christliche Schule der CSI in Chennai. Wir sprechen über die Arbeit von Shalom. 

Die Kinder aus dem Hostel führen drei Tänze vor. Sie haben in der Schule den zweiten Preis gewonnen. Wir grüßen, verteilen ein paar Süßigkeiten, beten und verabschieden uns, da wir noch knapp zwei Stunden Fahrt vor uns haben.
Im Gemeinschaftshaus von Shalom halten wir kurz. Es wurde 2010 errichtet, bezahlt aus Singapur. Getauft wurde das wie das Hostel ebenfalls sehr gut verarbeitete und große Gebäude auf den Namen "Dietrich Bonhoefer Haus".
Die 92 Jahre alte Mutter Jayapauls, die kaum sieht und hört, wohnt hier und begrüßt uns. Sie freut sich. Jayapaul Schwester ist für eine Woche aus dem südlichen Teil Tamil Nadus gekommen, um für sie zu sorgen. Hier lebt Steven, ein Evangelist, der im Moment keine Bleibe und auch keine Familie hat. Wir schauen uns das Haus an. Im Gemeinschaftssaal hat eine Jugendband ihre Anlage stehen und übt dort manchmal. Immer wieder kommen Leute ins Haus, die dort beraten werden, Essen bekommen und sich in Gruppen begegnen. Jayapauls Büro ist hier, während Mathew das Büro der Shalom Foundation im Hostel leitet.

Yelligiri-Zentrum.

Was zuerst auffällt: Die Mauer. Es ist eine wahrhaft hohe Mauer. Jayapaul erzählt, dass sie zuerst nur zum Dorf hin in dieser Höhe etwa zwei Meter hoch gebaut haben. Dann aber haben Gäste des CVJM über die flache Mauer ihre Schnapsflaschen geworfen. Und von der anderen Seite kam der Müll. Also haben sie die Mauer rundherum auf die gleiche Höhe gebracht.
Uns begrüßen einige der Lifetrainees, ihr Warden Danneka und Jothi, ein etwas älterer Mann, den ich auch schon kennen gelernt habe und der jetzt als eine Art Hausmeister fungiert. Es ist kühl hier oben. Schnell hole ich meine Strickjacke heraus. Auch die Fliesen sind kühl. Man bekommt kalte Füße. Unsere Zimmer sind wie immer super! Der Blumenkranz, den sie uns überreicht haben, duftet Dank der weißen Jasminblüten und füllt bald den Raum. Jedes der Zimmer hat ein eigenes Bad, sogar mit heißem Wasser. Aus einem Plastikhahn kommt durch die Solaranlage auf dem Dach und aus dem Boiler elektrisch erwärmtes Wasser.
Wir bekommen ein köstliches Dinner: Chappati mit vegetarischen Beilagen, Ei, Huhn und dann noch einen Shalom-Tee. Jayapaul erzählt vom Entstehen des Zentrums. Sie haben damals mehrere Freizeiten im CVJM-Zentrum gehabt und dort ist der Traum von einem eigenen Einkehrhaus entstanden. Die Yelligiris waren damals noch recht günstig und sowohl von Chennai als auch von Bangalore aus gut zu erreichen. So haben sie mit Hilfe des CVJM gesucht ... und eben auch gefunden.
Nach dem Essen ist es wie Weihnachten - jedenfalls im Blick auf die Bescherung. Jayapaul beschenkt uns reichlich: Mit einem Shalom-Shirt und einem Käppi. Die Freunde aus Singapur haben ihm diese Kleidungsstücke anlässlich des Jubiläums geschenkt.
Am Abend wird im Dorf noch gefeiert. Trommeln und Musik sind zu hören. Allerdings ist es später bald still und die Räume dämmen ohnehin recht gut.

Am nächsten Tag: Wir machen einen Rundgang über das Gelände. Jayapaul zeigt uns, sichtlich stolz, die tolle Anlage. Nun fällt die Mauer teilweise unangenehm auf. In Richtung CVJM ist sie über vier Meter hoch. Er will sie aber sobald möglich begrünen lassen. Immerhin: Jetzt wird nichts mehr rübergeschmissen, Tieren und Dieben ist der Zugang verwehrt und die Mauer wirkt als Schallschutz.
Bäume, Bäume, Bäume ... es sollen 1.114 Stück sein, hat Jothy gezählt. Das Hanstedt-Corner kommt jetzt gut zur Geltung. Die Büsche am Grundstücksrand sind entfernt worden. Sie liegen jetzt als Feuerholz auf einem großen Stapel, die Bambusstangen als Bauholz daneben. Es sieht jetzt noch aufgeräumter aus. Pfeffer, Bäume, deren Blätter als Gewürze taugen, Kaffee, Obstbäume (mit Tropenapfel als Experiment) usw. Ich habe die Vegetation an anderer Stelle oft beschrieben. Es soll hier zudem 23 Vorgelarten geben.
Die Gebäude sind in sehr gutem Zustand. Wir schauen uns den großen Raum der Lifetrainees an, das Mehrzweckgebäude mit seinen zum Teil riesigen Schlafräumen und die von mir eingeweihte Kapelle. Jayapaul sagt, dass sie in den nächsten Jahren keine Bauvorhaben mehr haben, sondern zunächst die Auslastung abwarten.

Hügellandschaft 

Gegen 10.30 Uhr fahren wir mit dem Toyota eine Runde durch die Hügellandschaft der Yelligiris. 14 Dörfer gibt es hier, eins davon fast eine Stadt. Die Maleavis, Hügelbewohner, waren einst Tribals und pflegten ihre Naturreligion. Jetzt sind sie Hindus und feiern Pongal. Geschmückte Eingänge zu den Häusern, alle in feinsten Feiertagsklamotten und entsprechender Stimmung, die Tiere geschmückt und die Tempel. Was bei den Bergbewohnern besonders ist: Sie verehren heute, am dritten Tag des Pongal, die Tiere. Mit den Bullen "spielen" sie. Junge Männer beweisen ihren Mut und reizen den Bullen. Der allerdings wird von mindestens 30 Männern an Seilen gehalten und immer zurückgezogen, wenn er sich den Männern aggressiv nähert. Ein Vergnügen ist es für den Bullen mit Sicherheit nicht, eher eine Qual. Das Dorf ist auf den Beinen, alle bunt gekleidet. Die Rinder sind in Korrälen. Köpfe und Hörner sind mit Bändern und Blumen bunt geschmückt. Selbst auf der Weide stehen grasende Rinder mit diesem Schmuck.
Viele Wochenendhäuser liegen verteilt zwischen den Hügeln, manche Villa ist dabei. Ein Audi Q3 begegnet uns und es wird deutlich, welche soziale Schicht sich hier oben was leisten kann. Ein riesiges neues Hotel entsteht, Eigentumswohnungen werden gebaut und angeboten. In deren Nähe habe ich auch Idea-Netz, bei uns im Shalom-Zentrum leider nicht.
Gegen 12.00 Uhr sind wir zurück. Jayapaul kennt Hans und Franz im Nachbardorf. Heute Abend wollen wir es besuchen. 

Lifetrainees - Hausgemeinde

Wir treffen uns mit den Lifetrainees in der Kapelle. Zur Zeit sind es nur sechs. Sie sind zwischen 17 und 20 Jahre alt und wollen nach ihrer Zeit hier eine Ausbildung machen. Die meisten wollen in technische Berufe. Jayapaul versucht, ihnen das Bewusstsein zu vermitteln, eine gute Ausbildung zu machen statt schnelles Geld zu verdienen. Dies offerieren diverse Firmen wie Nokia - aber dann verdienen die Jugendlichen zwar zunächst Geld aber bleiben lebenslang ungelernte Arbeiter. Die Shalom-Foundation finanziert nicht nur das jahr im Zentrum hier, sondern auch ihre anschließende Ausbildung. 
Auch wir stellen uns vor, erzählen von Hanstedt, grüßen von der HG, lesen den Brief von der Hausgemeinde vor. Das Geschenk der Hanstedter Hausgemeinde, die Hemden werden überreicht und lösen große Freude aus.
Wir beten, ich sage was zur Losung, es gibt ein Gespräch mit Fragen über Deutschland. Allerdings sind die Jungs sehr schüchtern. Auch wissen sie eigentlich nicht, wo Deutschland genau liegt - geschweige denn Hamburg ...

Einer der Jungs klettert auf eine Kokospalme und holt Nüsse herunter. Nach der Jackfruit ist eine Kokosnuss eine weitere Frucht, die Linda und Annika noch nicht probiert haben. Sie trinken gleich aus der Frucht. 

Pongal-Fest im Dorf

Am Abend gehen wir mit Jayapaul ins Dorf. Das Pongalfest geht weiter. In allen 50 Häusern, scheint es, wird Chickencurry gekocht. Es duftet lecker und wir werden mehrfach eingeladen. Die Leute sind von den Bergen zurück, die sie tags erstiegen haben, um dort ihre Gottheiten zu ehren. 
Das Dorf, ich habe es noch als reines und armseliges Hüttendorf erlebt, ist ein sehr aufgeräumtes, sauberes und irgendwie beschaulicher Ort mit festen Gebäuden. Viele der Häuser sind mit Kacheln verkleidet und man denkt schnell an Toiletten. Aber insgesamt macht es einen richtig guten Eindruck. Das ganze Dorf hat Jayapaul viel zu verdanken. Er hat viele der Jugendlichen gefördert. Die verdienen jetzt Geld und schicken es den Eltern. Die dritte Generation wächst gerade heran. Jaya besucht zusammen mit uns einige der Familien. Überall werden wir nett aufgenommen.
In einigen Nischen brennen Feuer, darauf das Chickencurry oder Männer sitzen daran und wärmen sich. Es ist vielen kalt und sie haben sich Mützen aufgesetzt und Schals umgeworfen.
Auf dem Platz vor dem Tempel wird getrommelt. Wir gehen hinaus und wieder können wir die Bullenspiele anschauen, diesmal hautnah. Die an Seilen gehaltenen Jungbullen werden von jungen Männern mit viel Krach gereizt und die Männer versuchen, die Hörner zu fassen. Es wird zum Vergnügen gemacht und ist eigentlich gesetzlich verboten. Aber wie die Hahnenkämpfe in A.P., so wird das in den Dörfern dieser abgelegenen Region ignoriert und die Polizei, wenn sie überhaupt in Erscheinung tritt, geschmiert.